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Island auf Kurs zum Wasserstoff
Verkehr mit Wasserstoff aus erneuerbaren Energien statt Diesel
Islands Politik und Wirtschaft und ihre europäischen Partner verfolgen weiterhin das Ziel, die erste Wasserstoff-Wirtschaft der Welt einzuführen und den gesamten Verkehrssektor des Landes langfristig auf den Treibstoff Wasserstoff umzustellen, welcher auf der Grundlage erneuerbarer Energien hergestellt wird. Dies verlautete am 20. Oktober in Berlin am Rande der Eröffnung der neuen isländischen Botschaft durch Staatspräsident Ólafur Ragnar Grímsson. Islands Botschafter in Deutschland, Ingimundur Sigfússon, ist maßgeblich an dem Vorhaben beteiligt, besonders bei den Kontakten mit deutschen Partnern.
Nach Aussagen von Projektteilnehmern verlaufen die Arbeiten nach Plan. Die verschiedenen Teilaufgaben befinden sich dabei in verschiedenen Stadien. Es handelt sich um:
- Einführung von Brennstoffzellenbussen mit Wasserstoff in Reykjavik,
- Einführung von Brennstoffzellenautos in den Individualverkehr, möglicherweise mit Methanol als Treibstoff,
- Produktion und Verteilung von Wasserstoff,
- Möglichkeiten der Erzeugung und Verteilung anderer Wasserstoffträger (zum Beispiel Methanol) und
- Einsatz von Brennstoffzellen in der Fischereiflotte.
Das Busprojekt für Reykjavik mit zunächst drei Fahrzeugen ist am weitesten in der Ausführung. Hier ist die konkrete Projektplanung weit fortgeschritten, und derzeit werden Finanzierungsmöglichkeiten und Förderanträge erarbeitet. Außer der Technik des Betriebs werden auch Fragen der Wirtschaftlichkeit und der Akzeptanz untersucht werden. Auf der Grundlage der Ergebnisse soll dann von der isländischen Seite entschieden werden, ob und wie schnell die 180 Fahrzeuge umfassende Busflotte von Reykjavik umgerüstet werden soll.
Die Umrüstung der Fischereiflotte auf Wasserstoff wird länger dauern, weil angesichts der wochenlangen Abwesenheit der Boote vom Land besondere Anforderungen an die Zuverlässigkeit des Speicherverfahrens gestellt werden.
Hintergrund: Island besitzt außer etwas Torf keine fossilen Brennstoffe, dafür aber im Überfluss erneuerbare Energien, besonders Erdwärme und Wasserkraft. Die ortsfesten Energieverbraucher werden nahezu ausschließlich aus diesen Quellen versorgt. In Reykjavik werden sogar die Straßen beheizt. Dennoch importiert das Land etwa ein Drittel seines Gesamtenergiebedarfs in Form von Mineralölprodukten, um Autos, Busse und Fischerboote damit zu versorgen.
Um das zu ändern, soll langfristig der gesamte öffentliche und private Verkehr von herkömmlichen Treibstoffen auf Wasserstoff umgestellt werden, der auf der Grundlage erneuerbarer Primärenergien hergestellt wird. Damit will Island auch seinen Teil zur Reduzierung der CO 2 -Emissionen leisten.
Ein Kooperationsabkommen über die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens namens "Icelandic New Energy Ltd." wurde am 17. Februar dieses Jahres in Reykjavik unterzeichnet. Die Hälfte am Eigenkapital von 1 Million $ hält das isländische Konsortium Vistorka hf. (EcoEnergy Ltd.), die andere Hälfte halten zu gleichen Teilen DaimlerChrysler , Norsk Hydro und Royal Dutch/Shell . Die neue Firma wird verschiedene Anwendungsfälle für Wasserstoff-Brennstoffzellen und Wasserstoffträger untersuchen. Dazu gehören die Busse von Reykjavik, aber auch die ansehnliche isländische Fischereiflotte, die für etwa 30 % der isländischen Öleinfuhren verantwortlich ist.
Herausgegeben vom Deutschen Wasserstoff-Verband e.V. (DWV), Berlin
V. i. S. d. P.: Dr. Ulrich Schmidtchen, Berlin

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