>> Aktuelles >> Leitartikel >>6/2009



Leitartikel der DWV-Mitteilungen
 
 
DWV-Leitartikel

zurueck

 

Ausgabe 1/2010

Blamage mit Ansage
Damit alle unsere Leser ein klares Bild von den Vorgängen haben, möchten wir an dieser Stelle noch einmal die Ergebnisse des Klimagipfels von Kopenhagen zusammengefasst darstellen.

Unverbindlich … Flopenhagen … + 2 °C … blablablabla … Absichtserklärung … große chinesische Mauer … politisches Dokument … Obama Papiertiger … langfristig … Kenntnis genommen … NIMBY (not in my backyard) … 2015 prüfen … keine verbindlichen Emissionsziele … 2020 vorlegen … nicht verbindlich … ab 2020 mehr Unterstützung für ärmste Länder … rhabarberrhabarberrhabarber … Schutz der Wälder wahnsinnig wichtig … mal weiter sehen … ungeklärt … Hauen und Stechen … nationale Souveränität … wertlos. Die näheren Einzelheiten sollen ab 2010 geklärt werden, wenn gerade nichts dazwischen kommt.

Diese „Ergebnisse“ als „Katastrophe“ zu bezeichnen, wie es die schwedische EU-Ratspräsidentschaft getan hat, ist noch sehr zurückhaltend und milde ausgedrückt, diplomatisch eben. Es ist eine Schande, und zwar für alle, die mitgewirkt haben. Aber niemand darf sich beschweren, es sei unerwartet so gekommen. Seit Monaten wusste es jeder, der die Zeitung lesen konnte. Doch dessen hätte es kaum bedurft.

Aber wen genau sollen wir denn nun in die Pfanne hauen? Im Laufe der Lobbyarbeit für den DWV trifft man auf so manchen Politiker, und bisher habe ich keinen kennen gelernt, den man ohne weiteres als unehrlichen Schurken bezeichnen könnte. (Solche gibt es, aber mit denen treffen wir uns nicht.) Man kauft den Leuten ihr ehrliches Bemühen durchaus ab. Warum gibt es dann ein derartiges Hornberger Schießen?

Die Ursachen liegen tiefer. Wir leben in einer Welt, deren politisches und wirtschaftliches System seine Energie aus mit viel Mühe halbwegs kanalisierter Selbstsucht bezieht, während ihm Verantwortung und Grundsätze völlig fremd sind, von so altmodischen und lebensfremden Sachen wie Nächstenliebe ganz zu schweigen. Und wenn sich die Spitzenpolitiker der Welt versammeln, um irgendein wichtiges Problem zu beraten, dann ist so ein Gipfel das Produkt und die Verkörperung dieses Systems. Genau so sehen die Ergebnisse dann auch aus. Eine Chance auf Einigung gibt es nur in Sachen, die den wichtigen Staaten (das sind die mit Kleingeld) einen kurzfristigen Nutzen versprechen. Offenbar wird dieser hier nicht gesehen. Vielmehr könnte Klimaschutz ja Geld kosten, und kein Klimaschutz wäre sogar gut für die Werften.

Sehen wir die Sache realistisch. Das Ziel, die globale Erwärmung bis 2100 wenigstens auf einen Wert von 2 °C zu begrenzen, ist nicht zu halten. Allgemeine verbindliche Abmachungen über die Verminderung der Treibhausgasemissionen sind nicht erreichbar, denn wenn erst akuter Leidensdruck herrscht, ist der Zug längst aus dem Bahnhof. Es wird noch mindestens so viele Klimagipfel geben, wie es seit Rio 1992 welche gegeben hat, mit dem gleichen Ergebnis. In wenigen Jahrzehnten, und zwar lange vor 2100, wird man unserer Generation dankbar gedenken.

Falls Sie es noch nicht bemerkt haben sollten: hier schreibt, einer, der so richtig von unten rauf sauer ist. (Namentlich gezeichnete Beiträge fallen nicht in die Verantwortung des DWV, sondern des Autors). Aber was sollen wir machen? Es gibt nur eine Möglichkeit: weitermachen. Gibt es Erfolge, umso besser. Gibt es keine, ist es jedenfalls nicht unsere Schuld. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen allen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2010. us

 

     
 

 

   

Deutscher Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband e.V. (DWV), Berlin