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DWV-Leitartikel

Ausgabe 6/2009
Energie-Infrastruktur 21
Unserem Planeten — dem einzigen übrigens den wir auf absehbare Zeit bewohnen können — schmelzen mehr oder weniger schnell, eher aber schnell, die Polkappen weg. Die darüber hinaus sich einstellenden klimatischen Veränderungen sind für jeden von uns bereits erlebbar, und viele von uns haben diesen Sachverhalt auch schon weitgehend verinnerlicht. Wir diskutieren die globale Erwärmung mit all ihren bedrohlichen Folgen und „wollen“ auch tatsächlich etwas dagegen tun. Bald zumindest. Und wirtschaftlich muss es sein.
Daneben geht es auf diesem Planeten Erde auch mit den Vorräten jener Art von Energie bergab, nach der wir für einen kleinen Moment in der Geschichte der Menschheit erfolgreich und unbekümmert gegraben oder gebohrt haben und es auch weiterhin tun. Diesen Sachverhalt scheinen wir allerdings nur sehr widerwillig wahrnehmen zu wollen. Zumindest verhalten wir uns so.
Nahezu ungehemmt VERbrauchen wir weiterhin diese herkömmlichen Energien und begründen dies stets mit notwendigem wirtschaftlichen Wachstum, erforderlicher globaler Entwicklung, Wettbewerbsfähigkeit und uns zustehendem Lebensstandard. Und da wir „wirtschaftlich“ denken und handeln, entsorgen wir die Abfallprodukte dieser Energie-VERbrauchswirtschaft größtenteils noch dorthin, wo sie am wenigsten hingehören – in unsere Atmosphäre. Wir „reichern“ unsere Atemluft mit Schadstoffen an und nehmen in Kauf, dass diese teilweise auch noch zur Erderwärmung betragen. Neuerlich vergraben wir auch schon mal einen Teil dieser Abfallprodukte dorthin wo sie herkommen – unter die Erde. Gelegentlich. Und nur wenn es wirtschaftlich ist.
Weder der Notwendigkeit noch der Dringlichkeit entsprechend, eher sogar ungebührlich verhalten, kümmern wir uns gegenwärtig um die Nutzbarmachung neuer – erneuerbarer - Energien, die wir für ein zukünftiges wirtschaftliches Wachstum, für die zukünftige globale Entwicklung und für einen zukünftigen angemessenen Lebensstandard unbedingt benötigen. Sei es herunterfallendes oder von Gezeiten getriebenes Wasser, sei es Wind, Sonneneinstrahlung, Biomasse, Geothermie oder andere erneuerbare Energie, sie bringt eine neue und notwendige Vielfalt der Primärenergieversorgung ins Spiel, die uns neue Märkte und Geschäftsmodelle erschließt, die uns neue, vielzählige und im Wettbewerb stehende Akteure auf den Plan ruft und die uns sicher auch hilft, politische Abhängigkeiten zu verringern.
„Erneuerbare Energie“ hilft uns, die Vorräte an Erdöl und Erdgas noch auf längere Sicht zur Erzeugung unserer lebensnotwendigen Utensilien (Mäntel, Möbel, Medikamente, etc.) zu nutzen. Auch werden wir dann Energie größtenteils nur noch GEbrauchen statt verbrauchen. Die „Diversifikation der Primärenergie“ einerseits und die „unstete Verfügbarkeit erneuerbarer Energie“ andererseits erfordern allerdings die „Standardisierung der Bereitstellung“ sowie die „Speicherbarkeit“ der geernteten verfügbaren Energie. Möglichst wenige, standardisierte, speicherbare und idealerweise ineinander überführbare „Energieträger“ werden die Säulen der zukünftigen Energie-GEbrauchswirtschaft sein. Die unmittelbare zügige Verbreitung bzw. Einführung einer solchen Standardisierung schafft politisch erzeugte Orientierung und hilft der Industrie, den nahtlosen Übergang zu schaffen. Elektrizität und Wasserstoff sind solche universellen Energieträger.
Wasserstoff und Elektrizität sind ineinander überführbar und werden für die zukünftige Energie-GEbrauchswirtschaft unerlässlich sein. An was es der Elektrizität mangelt, hat der Wasserstoff. Er ist nicht nur Energieträger – Wasserstoff ist speicherbare Elektrizität. Das ist sowohl für den stationären als auch den mobilen Sektor zutreffend. Während sich unsere auf Zeit gewählten politischen Vertreter im Kompetenzgerangel gegenseitig zu blockieren scheinen, jedenfalls konnte in der vergangenen Legislaturperiode dieser Eindruck entstehen, und statt zielgerichteter politischer Klarheit sowie Bündelung der Mittel verunsichernde bis polarisierende Interpretationen der eigenen Politik in Kauf nehmen, will der DWV dazu beitragen die „gedanklichen Klammern“ wieder etwas weiter zu setzen.
Missverständnisse wie „Elektromobilität = Batteriefahrzeuge“ helfen uns nicht weiter. Nachdem Anfang des Jahres anlässlich unserer Jahrespressekonferenz die „Forderungen des Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbandes“ vorgestellt und in die politische Landschaft getragen wurden, konkretisieren wir jetzt mit einem auf der letzten Mitgliederversammlung angekündigten Thesenpapier (Arbeitstitel „Energie Infrastruktur 21“) die Forderung nach einer ganzheitlichen Denk- und Vorgehensweise bezüglich unserer zukünftigen Energieversorgung. Unser Thesenpapier wird zeitgleich begleitet von einem in der Veröffentlichung befindlichen Memorandum „Batterien und Brennstoffzellen: Schlüsseltechnologien für die Elektromobilität und Energieversorgung von morgen“, das im Umfeld der Aktivitäten des Nationalen Innovationsprogrammes (NIP) erarbeitet wurde und das von Firmen und Institutionen wie BMW AG, Daimler AG, Deutscher Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband e.V. (DWV), Freudenberg FCTT KG, HySOLUTIONS–Hamburg, Technische Universität München, Vattenfall Europe AG, Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung gemeinsam getragen wird.
Dieses Memorandum wurde von den Herren Prof. Dr. Werner Tillmetz, Prof. Dr. Jürgen Garche, und Prof. Dr. Ulrich Wagner koordiniert. Des Weiteren verdeutlicht eine Reihe von themenbezogenen Veranstaltungen die Aktualität der Diskussion. So dürfte die wohl interessanteste Veranstaltung das 8. Brennstoffzellenforum Hessen sein, das dem Thema – „Elektromobilität – ein Dialog von Batterie und Brennstoffzelle“ gewidmet ist und am 09.11.2009 in Darmstadt kostenfrei abgehalten wird. Mehr dazu unter www.H2BZ-Hessen.de.
Joachim Wolf
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