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Pressemitteilung
Nr. 1/98 13. März 1998 |
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Ballontragödie vor der Aufklärung |
Die Ermittlungen über den Brand und Absturz eines Gasballons bei Kienberg (in der Nähe von Nauen) am 18. Oktober 1997 nähern sich dem Abschluß. Vier Ballonfahrer waren mit einem 1000 m3 Wasserstoff fassenden Gasballon von Bitterfeld nach Fehrbellin unterwegs. Sie kamen ums Leben, als ihr Fahrzeug aus zunächst ungeklärter Ursache abstürzte.
Die Untersuchungen des Luftfahrtbundesamtes in Braunschweig haben ergeben, daß der Ballon sich zu nahe an einem starken Radiosender befand. Die Deutsche Welle betreibt bei Kienberg vier Kurzwellenantennen mit einer Sendeleistung von je 500 kW. Der Ballon kam ihnen bis auf etwa 100 m nahe. Durch die Einwirkung des starken elektromagnetischen Feldes trennten sich die Ballonhülle und das darüberliegende Netz, an dem auch der Korb hängt. Netz und Korb stürzten aus 150 bis 200 m Höhe ab. Es gab keine Überlebenschance.
Die Ballonhülle, die inzwischen Feuer gefangen hatte, stieg nach dem Verlust des Korbes auf und flog noch eine Weile brennend weiter, bis das darin verbliebene Gas explosionsartig verbrannte. Das gab Anlaß, den Unfall als "Explosion in der Luft" zu bezeichnen. Diese Beschreibung muß als unzulässig vereinfacht angesehen werden.
Von kompetenter Stelle im Luftfahrtbundesamt wurde gegenüber dem DWV erklärt, daß der Wasserstoff im Ballon nicht die Unfallursache war. Der Ablauf wäre bei einem mit Helium gefüllten Ballon praktisch genau der gleiche gewesen.
Da es für einen derartigen Hergang bisher keinen Präzedenzfall gab, gestalteten sich die Ermittlungen besonders langwierig. Das LBA zog eine Reihe von Experten vom Deutschen Freiballonsport-Verband, dem Deutschen Wasserstoff-Verband (DWV), der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt und der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hinzu. Jetzt wird geprüft, welche Konsequenzen aus den Ergebnissen gezogen werden müssen.
Sendemasten sind auf den Luftkarten verzeichnet, aber weniger unter dem Gesichtspunkt der elektromagnetischen Felder, sondern als Hindernis wie auch Kirchtürme und Schornsteine. Die Störungen durch Felder hatten bisher eher in der militärischen Luftfahrt (Tiefflieger) zu Gefahren geführt, nicht im zivilen Bereich. In Zukunft sollen die Ballonfahrer verstärkt auf diese Risiken hingewiesen werden.
Anmerkung: Es besteht also auch nach den Ermittlungen zum Unglück von Kienberg kein Grund, Wasserstoff als unzumutbar gefährlich anzusehen. Wußten Sie übrigens, daß auch das immer wieder beschworene "Hindenburg"-Unglück von 1937 mit dem Wasserstoff an Bord gar nichts zu tun hatte? Das stand zwar seit 1937 in den Friedrichshafener Archiven des Zeppelin-Werks, wurde aber erst kürzlich bekannt. Schauen Sie doch einmal in den "Wasserstoff-Spiegel" Nr. 3/97!
DWV-Pressemitteilung 1/98 vom 13. März 1998
Herausgegeben vom Deutschen Wasserstoff-Verband e.V. (DWV), Berlin
V. i. S. d. P.: Dr. Ulrich Schmidtchen, Berlin