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Wasserstoff-Spiegel 5/97 |
Neuigkeiten aus der Wasserstoff-Technologie zusammengestellt vom Deutschen Wasserstoff-Verband |
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Die
Themen der Nummer 5/97:
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| Der Wasserstoff-Spiegel
informiert alle zwei Monate über wissenschaftliche, technische und ökonomische
Fortschritte auf dem Weg zum Einsatz des sauberen und dauerhaft verfügbaren
Energieträgers Wasserstoff, besonders auf der Grundlage erneuerbarer Primärenergien. Schwerpunkt dieser Ausgabe sind Arbeiten mit dem Ziel, Wasserstoff als Treibstoff einzuführen. Besonders in Kombination mit der Brennstoffzelle zeichnet sich hier das Gespann von morgen ab. Alle Meldungen sind frei zum Nachdruck. Belegexemplare werden erbeten. Nähere Informationen geben oder vermitteln wir gerne. Der Vorstand des Deutschen Wasserstoff-Verbandes |
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| Graphitfaserspeicher |
| Die beiden Bostoner Chemiker Rodriguez und Baker hatten
Ende 1996 berichtet, bestimmte Graphitfasern mit Abmessungen im nm-Bereich könnten
erstaunliche Mengen Wasserstoff anlagern (s. Nrn. 2/97
und 3/97). Sie halten inzwischen ein Patent auf
Graphit-Nanostrukturen verschiedener Art, auf eine damit arbeitende Vorrichtung zur
Speicherung von Wasserstoff und das dazugehörige Verfahren. Das US-Energieministerium
(DoE) unterstützt die Arbeiten mit 175 k$ und eventuell weiteren 45 k$ später. Daimler-Benz arbeitet "eng" mit Rodriguez und Baker zusammen, bewahrt aber Stillschweigen über die Ergebnisse. Wie verlautet, will Daimler demnächst die Ergebnisse der grundlegenden Bostoner Untersuchungen an Mengen zwischen 200 mg und 1 kg verifizieren. In Deutschland haben das Ulmer Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) und weitere Projektpartner eigene Messungen an Kohlenstoff-Fasern durchgeführt. Jürgen Garche vom ZSW ist hinsichtlich der zu erwartenden Ergebnisse optimistisch. Alle für die Wasserstoffspeicherung geeigneten Graphit-Nanostrukturen zeichnen sich durch einen hohen Anteil an kristallinem Graphit aus und durch Abstände oder Zwischenräume, deren Abmessung möglichst genau 0,335 nm beträgt. Im Graphitkristall sind die pi-Elektronen des C-Atoms delokalisiert. Dadurch besitzt das Gitter eine gemeinsame Elektronenwolke, ähnlich den Metallen und im Gegensatz zur amorphen Aktivkohle. Das ermöglicht die Chemisorption von Gas- oder Dampfmolekülen, wobei die Bindung wesentlich stärker ist als bei der Physisorption an Aktivkohle und vergleichbaren Stoffen. Unabhängig von der Wasserstoffspeicherung gibt es jetzt schon zahlreiche andere Anwendungsgebiete für Graphitfasern. Der Preis der Fasern bei Massenfertigung gilt daher nicht als kritisch. |
| Flüssiger Wasserstoff auf See |
| Beim Germanischen Lloyd in Hamburg laufen die numerischen
Auswertungen der Versuche an einem Modelltank für flüssigen Wasserstoff (LH2),
die 1996 auf dem Versuchsgelände Horstwalde der Bundesanstalt für Materialforschung und
-prüfung (BAM) durchgeführt wurden (siehe Nr. 2/97).
Die Versuche lieferten Anhaltspunkte für die Konstruktion sehr großer Behälter (3600 m3)
für den Seetransport von LH2. Außerdem konnten durch den Vergleich mit dem
Experiment Rechenmodelle validiert werden, die eine sehr viel bessere Vorhersage des
Druckanstiegs ermöglichen. Die Ergebnisse der Versuche können auch auf andere tiefkalt
verflüssigte Gase wie Stickstoff, Sauerstoff, Erdgas übertragen werden. Der Modelltank steht derzeit nach Abschluß der Versuche "arbeitslos" auf dem BAM-Versuchsgelände 50 km südlich von Berlin; die Benutzung durch andere Interessenten zu Forschungszwecken soll grundsätzlich ermöglicht werden. |
| Luftfahrt |
| Am 17. Juli 1996 stürzte vor Long Island eine Boeing 747 der TWA mit 230 Personen an Bord ab. Die Ermittlungen haben immer noch kein endgültiges Ergebnis erbracht. Als Ursache scheint inzwischen festzustehen, daß das Kerosindampf/Luft-Gemisch im fast leeren Haupttank explodierte. Woher die Zündenergie kam, ist nach wie vor ungeklärt. |
| Anmerkung: Luft im Tank ist der Normalzustand bei Kerosinflugzeugen wie auch bei Benzinautos. Obwohl das Gemisch bei Normalbedingungen überfettet ist, kann die Konzentration bei leerem Tank in den explosionsfähigen Bereich kommen. Wasserstofftanks enthalten im Normalbetrieb überhaupt keine Luft, so daß eine Zündung auch bei Energiezufuhr nicht möglich ist. Trotz des verbreiteten Vorurteils sind Verkehrsmittel mit Wasserstoffantrieb nicht nur nicht gefährlicher, sondern unter Umständen sogar sicherer als solche mit herkömmlichen Energieträgern. |
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| ONSI - Berichtigung |
| Der amerikanische Brennstoffzellen-Hersteller ONSI hatte im Juni einen Auftragsbestand für 185 Zellen des Typs PC25. Es handelt sich dabei nicht um den Auftragseingang im Juni, wie in der letzten Nummer unzutreffenderweise gemeldet. Wir bedauern unser Versehen. |
| Förderung USA |
| Das Energieministerium der USA (DoE) fördert den Kauf von Brennstoffzellen, um die Marktfähigkeit dieser Technologie zu erhöhen. Derzeit kostet eine phosphorsaure Brennstoffzelle mit 200 kWel Nennleistung etwa 600 k$. Ein Preis von 400 k$ wird als marktfähig angesehen. Das DoE hat 15 M$ bereitgestellt und fördert (amerikanische) Kunden mit 1000 $/kW bis zu 1/3 des Preises der Anlage. Wie der Anstieg der Bestellungen zeigt (siehe oben), funktioniert das recht gut. Die Hersteller sind der Ansicht, daß sie bei dieser Nachfrage durch die größeren Serien bis etwa zum Jahre 2000 die Kosten so reduzieren können, daß sie die Zellen auch ohne Subvention für 400 k$ verkaufen können. Derzeit haben sie in erster Linie mit Kapazitätsproblemen zu tun. (Quelle: Hydrogen & Fuel Cell Letter) |
| Autos - Toyota |
| Auf der IAA in Frankfurt/Main präsentierte Toyota die Weiterentwicklung des Brennstoffzellen-Fahrzeugs, das 1996 vorgestellt worden war (siehe Nr. 1/97). Es enthält statt des früheren Metallhydridspeichers jetzt einen Methanoltank, einen Reformer, eine verbesserte PEM-Zelle (25 kW) und eine Pufferbatterie. |
| Autos - Daimler-Benz |
| In einer Reaktion auf die Präsentation von Toyota zeigte
Daimler-Benz am 10. September auf der Frankfurter IAA erstmals sein NECAR 3 der
Öffentlichkeit. Die ausführliche Präsentation wird im Oktober in Tokio stattfinden,
wie schon in Nr. 4/97 gemeldet. Vorstandschef Schrempp
betonte, daß Daimler als erster Hersteller mit einem serienmäßigen
Brennstoffzellen-Fahrzeug auf dem Markt sein wolle. Wie ergänzend verlautete, könnte die
Serienproduktion 2004 oder 2005 beginnen. Die im April beschlossene Partnerschaft Daimler/Ballard (siehe Nr. 3/97) ist seit dem 26. August endgültig unter Dach und Fach. Die Verträge über eine Kapitalbeteiligung und die Gründung gemeinsamer Tochterfirmen für Entwicklung und Vermarktung von Brennstoffzellen-Antrieben wurden unterzeichnet. In den nächsten Monaten werden beide Seiten zusammen mehr als 450 MCan$ (etwa 585 MDM) investieren. PKW-Vorstand Hubbert sagte für Daimler bei der Vertragsunterzeichnung, die Brennstoffzelle habe "die größten Chancen, dem Verbrennungsmotor ernsthafte Konkurrenz zu machen." PKW-Entwicklungschef Petri äußerte: "Die Brennstoffzelle wird sich durchsetzen, wenn wir sie unseren Kunden zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten können." Das "Projekthaus Brennstoffzelle" der Daimler-Benz AG hat ein neues Quartier in Nabern bei Kirchheim unter Teck bezogen. Sämtliche Arbeiten am System Brennstoffzellen-Fahrzeug mit allen seinen Komponenten sind dort aus Esslingen, Ulm, Friedrichshafen und anderswo zusammengezogen worden. |
| Berlin |
| Umweltsenator Strieder sieht die bayerischen Fördermaßnahmen für die Wasserstofftechnologie (s. Nr. 4/97) nicht als Modell für Berlin an, macht auch keine Zusagen über die Verwendung der Erlöse aus dem Verkauf von Landesbeteiligungen und hält einschlägige Fördermaßnahmen nicht für erforderlich. Eventuell vorhandene Mittel würden eher für die Photovoltaik verwendet werden. Dies ergibt sich aus seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage im Abgeordnetenhaus. Die Aktivitäten in Japan und den USA sind dem Senator nicht bekannt. |
| Lobby |
| Der DWV steht jetzt auf der Liste der bei der Bundestagspräsidentin geführten Liste der Verbände, die Interessen gegenüber dem Bundestag oder der Bundesregierung vertreten. |
| Olle Kamellen |
| Der SPIEGEL meldet in der Nr. 35/97, daß Daimler-Benz 25 % von Ballard übernimmt, zusammen mit Ballard 400 MDM in Brennstoffzellenantriebe investieren und im Oktober in Tokio das NECAR 3 präsentieren will. |
| Anmerkung: Ach, was wären das für aufregende Neuigkeiten, wenn man das nicht alles schon vor Monaten im "Wasserstoff-Spiegel" oder auch im HyWeb gelesen hätte. Merke: Unsere Leser wissen noch mehr! |
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Wasserstoff-Spiegel 5/97
Herausgegeben vom Deutschen Wasserstoff-Verband e.V., Berlin
V. i. S. d. P.: Dr. Ulrich Schmidtchen, Berlin