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Wasserstoff-Spiegel 2/98 |
Neues von Wasserstoff und Brennstoffzelle zusammengestellt vom Deutschen Wasserstoff-Verband |
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| Der Wasserstoff-Spiegel
informiert alle zwei Monate über wissenschaftliche, technische und ökonomische
Fortschritte auf dem Weg zum Einsatz des sauberen und dauerhaft verfügbaren
Energieträgers Wasserstoff, besonders auf der Grundlage erneuerbarer Primärenergien. Alle Meldungen sind frei zum Nachdruck. Belegexemplare werden erbeten. Nähere Informationen geben oder vermitteln wir gerne. Der Vorstand des Deutschen Wasserstoff-Verbandes |
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| Katalyse statt Elektrolyse |
| Forscher in Japan und Spanien wollen Katalysatoren
entwickelt haben, mit denen man bei Raumtemperatur mit sichtbarem Licht Wasser spalten
kann. Die japanische Gruppe benutzt Kupferoxidpulver (Cu2O). Die Versuche
liefen über 1900 Stunden (2,5 Monate) ohne Degradation des Katalysators. Bisher läßt
die Ausbeute des Prozesses zu wünschen übrig. Die Versuche werden jetzt mit einem CuFeO2-Katalysator
weitergeführt (s. M. Hara u. a., Chem. Commun. 70 (1998) 357f). Die spanische Gruppe verwendet eine Molybdänverbindung, die das Wasser ohne äußere Energiequelle spalten soll. Einzelheiten wurden nicht bekannt, weil eine Patentanmeldung anhängig ist (s. New Scientist 28. Februar 1998: "Catalysts for Change"). Beide Gruppen bezeichneten ihre Methoden als Durchbruch im Vergleich zu bisherigen Verfahren. Sie wiesen aber auch darauf hin, daß es sich bisher nur um Laborexperimente handelt. |
| Ballonabsturz |
| Der Absturz eines Wasserstoff-Gasballons bei Kienberg
(nahe Nauen), bei dem am 18. Oktober 1997 vier Ballonfahrer umgekommen waren, steht vor
der Aufklärung (s. Nr. 6/97 "Ballonabsturz").
Ursache waren die elektromagnetischen Felder des Kurzwellensenders der Deutschen Welle
(vier Antennen à 500 kW), dem der Ballon bis auf etwa 100 m nahe kam. Unter ihrer
Einwirkung trennte sich das Netz, an dem auch der Korb hängt, von der Ballonhülle, so
daß es samt Korb frei zur Erde stürzte. Die Flugunfalluntersuchungsstelle beim Luftfahrtbundesamt teilte mit, daß der Unfall mit dem Wasserstoff im Ballon nichts zu tun hatte. Einem Helium- oder Heißluftballon hätte genau das gleiche passieren können. An den langwierigen Ermittlungen waren auch Spezialisten des DWV beteiligt. |
| Schaufenster |
| Der Gemeinschaftsstand "Wasserstofftechnologien und Brennstoffzellen" auf der Hannover Messe 98 bietet wieder einen Querschnitt durch Forschung, Entwicklung und kommerzielle Anwendung in Deutschland. In einer "bayerischen Ecke" zeigt die Wasserstoffinitiative Bayern die vom Land geförderten Arbeiten, besonders das Projekt "Flughafen München". Außerdem werden Informationen über Nutzfahrzeuge (MAN) und PKW (BMW), Infrastruktur und moderne Elektrolyseure vermittelt. Ein Publikumsmagnet dürfte die Speicherung von Wasserstoff in Graphit-Nanostrukturen sein. Wirtschaftsminister Wiesheu wird als Gast erwartet. |
| Japan |
| Die zweite Phase des japanischen Projekts WE-NET soll mit Beginn des Haushaltsjahres 1999 (1. April 1999) beginnen. Das WE-NET Center in Tokio hat dafür ein Budget von 220 MDM über fünf Jahre beantragt. Das Budget für die erste Phase hatte 150 MDM betragen. |
| Hat der Akku ausgedient? |
| Das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare
Energiesysteme hat eine Brennstoffzelle entwickelt, die in einen Notebook-Computer paßt.
Die Miniaturisierung wird durch platzsparende Streifenmembranen erreicht. Ein
Metallhydridspeicher enthält Wasserstoff für 10 Betriebsstunden. Eine Selbstentladung
findet praktisch nicht statt. Roland Nolte vom ISE sagte: "Bei einer
Großserienfertigung kann diese Technologie kostengünstiger als ein heutiger Lithium-Akku
werden." Die Entwicklung soll auf der Hannover Messe 98 erstmals der Öffentlichkeit
vorgestellt werden. Die japanische Firma Sanyo plant angeblich noch in diesem Jahr die Markteinführung eines ähnlichen Systems mit Wasserstoff. |
| Ausblicke |
| In Essen fand am 24./25. März die Tagung
"Energieversorgung mit Brennstoffzellen '98 - Stand und Perspektiven" des
VDI-GET statt. Breiten Raum nahm die PEM-Zelle ein. "Die Membran-Brennstoffzelle hat
sich vom Laborexoten zum Megastar entwickelt", urteilte Prof. Ledjeff-Hey (Duisburg).
Für die weltweiten F+E-Mittel sieht er einen Anstieg von 100 M$ 1995 auf 1G$ 2000 voraus.
Bei den Membranen sei noch viel Luft zur Kostensenkung. Bei phosphorsauren Zellen zeigte sich Oliver Weinmann (HEW) nach drei Jahren Betrieb angenehm überrascht von der hohen Verfügbarkeit der Anlagen. Als Aufgabe gilt neben der Kostensenkung die Verlängerung der Lebensdauer. An der Schmelzkarbonatzelle wird weiter intensiv gearbeitet. Bisherige Prototypen schaffen wegen der extremen Betriebsbedingungen gerade 20000 Betriebsstunden (2,5 Jahre). Zu teuer sind sie auch noch. Aber in drei bis vier Jahren sollen die ersten Pilotprojekte beginnen. |
| Opel zieht mit |
| Um bis 2004 ein marktreifes Brennstoffzellen-Auto auf die
Räder zu stellen, hat General Motors global operierende Arbeitsgruppen gegründet. Eine
davon befindet sich bei Opel in Rüsselsheim. Opel zeigte auf dem Autosalon in Genf Anfang März einen Kombiwagen vom Typ "Sintra" mit Methanolreformer und Brennstoffzelle (50 kW). In einer Pressemitteilung vom 4. März hieß es: "Die besten Perspektiven, den Otto- und Dieselmotoren in Zukunft den Rang als Automobil-Standardantriebe abzulaufen, besitzt die Brennstoffzelle." |
| Detroit im Brennstoffzellenfieber |
| Amerikanische Beobachter sind gemäß "Business
Week" erstaunt, wieviel Energie die Großen Drei von Detroit (GM, Ford, Chrysler) in
die Entwicklung von Brennstoffzellen-Fahrzeugen stecken. Die einstigen bösen Buben auf
dem Gebiet der Umwelt würden sich jetzt plötzlich an die Spitze der Bewegung stellen und
beinahe jede Woche irgendeine Initiative zur Bekämpfung der globalen Erwärmung oder der
Abhängigkeit von fossilen Energieträgern starten. Der fiktive Ladenpreis für einen
Mittelklassewagen mit Brennstoffzelle ist in den letzten 10 Jahren von 20 M$ auf 200 k$
gedrückt worden. Bradford Bates, ein maßgeblicher Entwickler bei Ford, hatte vor zwei
Jahren vorausgesagt, er werde die Brennstoffzellenautos nicht mehr erleben, denn das sei
noch 30 Jahre hin. Neuerdings sagt er, er werde sich noch eines kaufen, bevor er zu alt
zum Fahren sei (Bates ist 60). Gemäß Geoffrey Ballard, Mitbegründer der gleichnamigen Firma, wird gerade die Autoindustrie die Senkung der Kosten schaffen. Diese Branche habe es immerhin fertiggebracht, ein so komplexes Produkt wie das Auto überhaupt zu einem erschwinglichen Preis auf den Markt zu bringen. |
| Alternative Treibstoffe |
| Ford und Mobil wollen unter dem Motto "Let's drive for a better future" alternativen Treibstoff- und Fahrzeugtechnologien auf den Markt helfen. Nach einer Pressemitteilung von Mobil vom 5. März werden sie Reformer entwickeln, die aus Kohlenwasserstoffen den Wasserstoff für eine Brennstoffzelle gewinnen. Durch die Möglichkeit der Nutzung von eingeführten Energieträgern wie Benzin oder Diesel soll die Infrastruktur gewährleistet und so die Markteinführung alternativer Kraftstoffe beschleunigt werden. |
| Doch konkurrenzfähig? |
| Warum sollen Brennstoffzellenautos Methanol oder Benzin
tanken, wenn sie doch Wasserstoff brauchen? Weil Wasserstoff 1. nicht so einfach zu
speichern ist und es 2. derzeit keine Infrastruktur dafür gibt. Deswegen nimmt man eher
den teuren und komplizierten Reformer an Bord in Kauf. Eine Studie für das US-Energieministerium untersucht Möglichkeiten der Schaffung einer Wasserstoffinfrastruktur und der Speicherung im Fahrzeug. Ergebnis: der dezentrale Betrieb kleiner Elektrolyseure oder externer Reformer, die als Zubehör mit dem Auto verkauft werden könnten, könnte sogar wirtschaftlicher sein als die Ausrüstung der Fahrzeuge mit Reformern (s. C.E. Thomas u.a., Int. J. Hydr. Energy 23 (1998) 507-16). |
| Ölvorräte |
| Öl an sich gibt es schon noch, aber billiges Öl bald nicht mehr. Zwei Fachleute erklärten im "Scientific American" (C.J. Campbell, J. H. Laherrère, März 1998, S. 60-65), die Förderung sei mehr als dreimal so groß wie die Rate der Entdeckung neuer Vorkommen, und wesentliche neue Funde seien unwahrscheinlich. Die Weltförderung werde noch vor 2010 ein Maximum erreichen und danach stetig sinken. Da der Aufwand für die Ausbeutung eines Feldes erheblich steigt, wenn es etwa zur Hälfte erschöpft ist, würden die Preise schon dann anziehen, wenn noch viel Öl in der Erde ist. Die simple Division der buchmäßigen Reserven durch die Förderrate sage daher nicht, wie lange die Preise noch auf dem heutigen Niveau bleiben werden. Außerdem seien die Angaben über die Vorräte teilweise mit großer Vorsicht zu genießen. |
| "Höhere" Gewalt? |
| Daß die Erde wärmer wird, ist eine Tatsache. Umstritten
ist, in welchem Maß der Mensch dafür verantwortlich ist. Um das zu klären, haben zwei
Astronomen der ETH Zürich (http://www.aoa.ethz.ch/medieninfo/1998/22.html)
von 1874 bis heute die Sonnenhelligkeit und die globale Mitteltemperatur miteinander
korreliert. Bis etwa 1975 können sie den Anstieg der letzteren um 0,4° eindeutig auf die
gestiegene Strahlungsleistung der Sonne zurückführen. Seitdem erwärmt sich die Erde aber weiter, ohne daß die Strahlungsleistung der Sonne noch besonders gestiegen ist. Die Forscher dazu: "Bis vor kurzem hatte die Sonne einen dominierenden Einfluß auf den Klimaverlauf. In letzter Zeit ist ihr durch die vom Menschen freigesetzten Treibhausgase Konkurrenz erwachsen. In den kommenden Jahrzehnten wird deren Einfluß voraussichtlich noch stärker werden - aber auch die Sonne wird sich bestimmt noch bemerkbar machen." |
| Bayern bleibt Meister |
| Bayern liegt bei der Förderung der
Wasserstofftechnologie weiterhin vorn. Mit einem "Wasserstoff-Erlebnisstand" auf
der Eröffnung der Neuen Münchner Messe im Februar bekräftigte das
Wirtschaftsministerium sein Engagement. Minister Wiesheu, MAN-Nutzfahrzeuge-Chef Schubert
und der Leiter der Koordinationsstelle der Wasserstoff-Initiative Bayern, Wagner, gaben
auf dem Stand eine Pressekonferenz unter dem Thema "Wasserstoff: Mit neuer Energie in
die Zukunft". Dazu waren sie mit dem MAN-Wasserstoffbus zur Messe gefahren. Selbst die SPD stimmt der Regierung auf diesem Gebiet grundsätzlich zu, nur geht es ihr zu langsam. Die Landtagsfraktion forderte am 13. Februar ein noch stärkeres und ökologischer ausgerichtetes Engagement der Landesregierung. |
| Baden-Württemberg bleibt dran |
| Das "Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg" (ZSW) feierte am 27. März in Stuttgart sein 10jähriges Bestehen. Staatssekretär Mehrländer bekräftigte die weitere öffentliche Förderung durch die Landesregierung. Wörtlich sagte er: "Energieforschung ist keine Verbeugung vor einem Zeitgeist und erfordert langen Atem." Das Land hat bisher 75 MDM direkt für das ZSW ausgegeben und über die "Energiestiftung" weitere 16 MDM zusammen mit den Energieversorgungsunternehmen Baden-Württembergs. Auch diese sagten die weitere Förderung zu. |
| Mr. Hydrogen spricht |
| Der amerikanische Senator Tom Harkin, im Kongreß auch
als "Mr. Hydrogen" bekannt, hat sich in Washington optimistisch über die
weitere Entwicklung der Wasserstofftechnologie geäußert. In den vergangenen drei Jahren
seien viele Hindernisse beseitigt worden. Wichtigstes Nahziel sei die Senkung der Kosten
für die Wasserstofferzeugung. Harkin rief dazu auf, den Entwicklungsländern gar nicht
erst eine Energieinfrastruktur nach unserem eigenen auslaufenden Muster zu verpassen,
sondern sie gleich bei der Nutzung von Sonne, Wind und Biomasse zu unterstützen. Während
das 20. Jahrhundert das Jahrhundert des Rauchs war, solle das 21. die Ära des
Wasserdampfs werden. Harkins Traum: der Präsident der USA hält zur besten Sendezeit eine große Fernsehansprache, in der er die Nation zu einer Kraftanstrengung für die erneuerbaren Energien und sauberen Transportmittel aufruft, so wie es einst Kennedy mit dem Mondprogramm tat. Das US-Energieministerium (DoE) hat für den Bundeshaushalt 1999 24 M$ für Wasserstoff beantragt (1998: 16), 42 M$ für stationäre Brennstoffzellen (40) und 45 M$ für mobile (24). |
| Keine Experimente |
Der Kongreß der USA hat sich beunruhigt über die Möglichkeit geäußert, Pferde und Dampfmaschinen könnten durch Benzinmotoren verdrängt werden. In einer Stellungnahme hieß es, Benzinvorräte in der Hand von hauptsächlich am Verdienst interessierten Personen seien ein Feuer- und Explosionsrisiko ersten Ranges. Die Bedrohung des Volkes durch Benzinfahrzeuge und die Vergiftung der Atmosphäre durch sie würden sofortige gesetzgeberische Maßnahmen erfordern. Die Kosten der Herstellung von Benzin seien jenseits der Möglichkeiten der privaten Industrie. Auch stünde der Ruin der Landwirtschaft bevor, falls die Pferde verdrängt würden. |
| Anmerkung: Das war 1875. Aber wenn wir einige Begriffe austauschen, merkt das kein Mensch. |
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| El Niño war's! |
Australische Forscher geben dem Wetterphänomen El Niño die Schuld an so ziemlich allen großen Umstürzen und Katastrophen der vergangenen 5000 Jahre. Auf einer Tagung in Canberra im Februar hieß es als Beispiel, El Niño habe Frankreich in den Jahren 1787 bis 1789 harte Winter und trockene Sommer gebracht. Die dadurch hervorgerufenen Mißernten hätten entscheidend zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten und daraus folgenden sozialen Spannungen beigetragen, die schließlich 1789 in den Ausbruch der Französischen Revolution mündeten. |
| Anmerkung: Konkrete Voraussagen über den Ausgang der Bundestagswahl ließen sich der Meldung leider nicht entnehmen. |
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Wasserstoff-Spiegel 2/98
Herausgegeben vom Deutschen Wasserstoff-Verband e.V., Berlin
V. i. S. d. P.: Dr. Ulrich Schmidtchen, Berlin