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Wasserstoff-Spiegel 3/98 |
Neues von Wasserstoff und Brennstoffzelle zusammengestellt vom Deutschen Wasserstoff-Verband |
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Die
Themen der Nummer 3/98:
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Der Wasserstoff-Spiegel informiert alle zwei Monate über wissenschaftliche, technische und ökonomische Fortschritte auf dem Weg zum Einsatz des sauberen und dauerhaft verfügbaren Energieträgers Wasserstoff, besonders auf der Grundlage regenerativer Primärenergien. Übernahme frei - Belegmitteilungen erbeten - Setzen Sie uns auf Ihre Linkliste! |
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| Graphitfasern |
| Die Bostoner Chemiker Rodriguez und Baker haben Einzelheiten über ihre Methode der Speicherung von verblüffenden Mengen Wasserstoff mit Nanofasern aus Graphit veröffentlicht. Der Effekt soll auf der speziellen Geometrie der Fasern und der für Graphit typischen Wolke delokalisierter Pi-Elektronen beruhen. Dazu kommen starke Wechselwirkungen der Wasserstoffmoleküle mit dem Graphit und untereinander, die innerhalb der Strukturen zur Kondensation bei Raumtemperatur führen könnten. Die freigesetzten Mengen liegen 10 bis 20 % unter den gespeicherten. Die Differenz wird erst bei höheren Temperaturen frei. Mittlerweile können regulär Chargen von 20 bis 100 g des Fasermaterials erzeugt werden. Daimler-Benz unterstützt die Arbeiten weiterhin. (A. Chambers, C. Park, R. T. K. Baker, N. M. Rodriguez: "Hydrogen Storage in Graphite Nanofibers", J. Physical Chemistry B 102 (1998) 4253-6. Siehe auch "Hydrogen Supersponges" in Chem. Eng. News vom 25. Mai, R. T. K. Baker: "Synthesis, Properties and Applications of Graphite Nanofibers", vorgetragen beim "WTEC Workshop on R&D Status and Trends in Nanoparticles ...", 08.,09.05.97 und "Hydrogen & Fuel Cell Letter" vom Juni 1998) |
| Island |
| Die Insel im Nordatlantik soll zu einem Forum für die Einführung von Wasserstoff und anderen alternativen Treibstoffen in eine entwickelte Volkswirtschaft werden. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Industrie, Hochschulen und Behörden unter Leitung eines Parlamentariers arbeitet vor allen Dingen daran, die Brennstoffzelle in den Verkehr einzuführen. Der Wasserstoff dafür soll mittels Wasserkraft durch Elektrolyse produziert werden. Mit Daimler-Benz und Ballard gibt es Verhandlungen über den Betrieb von Brennstoffzellenbussen in Reykjavik. Auf lange Sicht soll die Mobilität der ganzen isländischen Gesellschaft auf den Treibstoff Wasserstoff umgestellt werden. Auch die ansehnliche Fischereiflotte des Landes, die 30 % des importierten Öls schluckt, soll auf heimische Kost umgewöhnt werden. In Form von Wasserstoff läßt sich Energie auch exportieren. Eine erste Abmachung mit deutschen Partnern ist Teil des Hamburger Demonstrationsprojekts W.E.I.T (s. Nr. 6/97 "Wasserstoff führt W.E.I.T.er"). |
| Tandem |
| Beim National Renewable Energy Laboratory (NREL) in Colorado (USA) ist ein Halbleiterbauteil entwickelt worden, das die Funktionen von Sonnenzelle und Elektrolyseur in sich vereint. Der Wirkungsgrad beträgt beim Labormodell 12,4 % und ist damit doppelt so hoch wie beim zweistufigen Prozeß Photovoltaik + Elektrolyse. (O. Khaselev, J. A. Turner: "A Monolithic Photovoltaic-Photoelectrochemical Device for Hydrogen Production via Water Splitting", Science 280:382, 425-7; siehe auch die Pressemitteilung des NREL) |
| Neue Partner |
| Am 26. März fand in Stockholm das konstituierende
Treffen des Schwedischen Wasserstoffverbandes (SHA)
statt. Am 30. April wurde in Paris die "Association Française de l'Hydrogène" (AFH) gegründet. Zu den Gründern gehören Firmen wie Air Liquide, die französischen Töchter von Air Products und Linde und der Luft- und Raumfahrtkonzern SEP. |
| Hannover Messe 98 |
| Der Gemeinschaftsstand "Wasserstoff und Brennstoffzellen" hatte den schon gewohnten Erfolg. Die Zahl der Aussteller war mit 32 beispiellos hoch. Die Aussteller zeigten sich rundum zufrieden. Das Presseecho war ausgezeichnet. Die Planung für den Jubiläumsstand 1999 ist im vollen Gange. Interessenten werden gebeten, so bald wie möglich mit den Veranstaltern Kontakt aufzunehmen (siehe Terminkalender). Der DWV ist wieder dabei. |
| Sachsen |
| Das sächsische Umweltministerium will die Stadt Taucha
bei Leipzig zu einer Ökologischen Modellstadt machen. In der "Zwick'schen
Siedlung", einer Wohnanlage aus den 30er Jahren, soll eine umweltfreundliche und
innovative zentrale Wärmeversorgung entstehen, um die mit Braunkohle geheizten
Einzelöfen der 1500 Wohnungen zu ersetzen. Das Ministerium hat dazu einen Ideenwettbewerb
gestartet. Interessierte Ingenieurbüros und Anlagenhersteller sollen bis zum 24. Juli
eine geeignete Vorplanung vorlegen (Kontakt: Sächsisches Staatsministerium für Umwelt
und Landesentwicklung, Referat 42, Postfach 12 01 21, 01002 Dresden). Ein Fall wie dieser eignet sich ausgezeichnet für den Einsatz von Brennstoffzellen. Da die Siedlung keinen Anschluß an die Fernwärme, aber ans Erdgas hat, wären hier Lösungen nach dem Muster von Hamburg möglich (s. Nr. 5/97 "Hamburg" sowie unsere Pressemitteilung). |
| Ballard in Japan |
| Ballard Generation Systems und die Tokioter Firma EBARA haben die Gründung einer gemeinsamen Firma beschlossen, die Ballards stationäre PEM-Anlagen in Japan exklusiv vermarkten und später auch produzieren soll. Beide Seiten werden 31 M$ investieren. Nach GPU International in Nordamerika und GEC Alsthom in Europa ist EBARA Ballards dritter strategischer Partner im stationären Geschäft (s. Pressemeldung von Ballard). |
| UBA |
| Am 18. und 19. Mai fand im Umweltbundesamt in Berlin ein
Fachgespräch mit etwa 50 eingeladenen Experten zum Thema Brennstoffzellen statt. Zum
Einsatz in Blockheizkraftwerken und anderen stationären Anlagen herrschte weitgehend
Einigkeit. Dagegen sind die Verkehrsexperten des Hauses große Gegner der mobilen
Anwendung. Sie bevorzugen Verbrennungsmotoren, insbesondere mit Erdgas, sowie
Katalysatoren verbrauchsmindernde Maßnahmen. Zur Anwendung im Verkehr verliefen daher die
Diskussionen zwischen dem UBA und den meisten Eingeladenen ungewöhnlich kontrovers.
Jedoch soll es dem UBA nicht gelungen sein, für seine Position in diesem Punkt
nennenswerte Unterstützung zu finden. UBA-Präsident Andreas Troge betonte in einem Zeitungsinterview (Berliner Zeitung vom 5. Mai), man habe "keineswegs apodiktisch gesagt, die Brennstoffzellentechnik tauge in Fahrzeugen nicht". Bisher erzeuge das NECAR noch immer so viel CO2 wie der Smile von Greenpeace und sei fünfmal so teuer. Das könne sich aber durchaus ändern. Man dürfe das jetzige Ergebnis nicht als Ewigkeitswert nehmen. Das Batterieauto sei jedenfalls keine Alternative. |
| Anmerkung: Der DWV hat zur "Brennstoffzelle im Verkehr" eine Stellungnahme herausgegeben, die auf unserer Internet-Seite bei den Pressemitteilungen zu finden ist. |
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| Initiative |
| Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann stellte am 11.
Mai in Bonn die Initiative "Verkehrswirtschaftliche Energiestrategie" vor, die
er bereits im Januar angekündigt hatte (s. Nr. 1/98
"Wissmanns Ziele" sowie Pressemeldung des BMV). Es ist geplant, bis Ende 1999 die ein oder zwei
erfolgversprechendsten alternativen Treibstoffe zu identifizieren und dann gemeinsame
Strategien für deren Markteinführung vorzulegen. Teilnehmer sind BMW, Daimler-Benz, MAN
und VW sowie ARAL, RWE und Shell. Mit Blick auf den weiterhin starken Anstieg des
Verkehrsaufkommens und die Notwendigkeit eines schonenden Umgangs mit endlichen Ressourcen
müßten frühzeitig die Weichen für den Einsatz alternativer Energietechniken gestellt
werden. Viele Teilnehmer betrachten Wasserstoff als einen der Spitzenkandidaten. Besonders deutlich sagte das Rainer Laufs, Chef der Deutschen Shell, mit den Worten: "... Auch der umweltfreundliche Wasserstoff in den Augen vieler die Energieform der Zukunft [wird] verstärkt seinen Beitrag zur Energie- und Kraftstoffversorgung leisten, wenn wir uns entsprechend darum bemühen." BMW-Vorstandsmitglied Teltschik hob hervor: "Wir wissen sicher, daß wir in Zukunft mit ein oder zwei Antriebsarten aus den folgenden Alternativen fahren werden: Verbrennungsmotor mit Erdgas oder Wasserstoff oder Elektroantrieb mit Batterie oder Brennstoffzelle oder Hybridantrieb als Kombination aus Verbrennungsmotor oder Elektroantrieb. ... Wir haben keine Erfolgsgarantie, aber wir müssen beginnen." Für Daimler-Benz meinte Vorstandsmitglied Cordes, daß Herausforderungen absehbar sind, "deren Bewältigung nicht allein mit einer weiteren Optimierung des Bestehenden, sondern über zukunftsweisende Lösungen zu leisten ist". |
| Fürs Stammbuch |
| Die deutsche Energiewirtschaft wäre schon heute in der
Lage, das Ziel einer nachhaltigen Energiewirtschaft zu erreichen, wenn es allein nach
ihren technischen Möglichkeiten ginge. Doch wird deren "Nutzung von wirtschaftlichen
Interessen, sozialen Ansprüchen und überkommenen Konsumgewohnheiten begrenzt."
"Ökonomische Handlungsspielräume im Hinblick auf eine dauerhaft durchhaltbare
Entwicklung werden nur ansatzweise ausgeschöpft." Das schreibt das Baseler Prognos-Institut in einer Studie für das
Bundeswirtschaftsministerium. Danach treffen die "Akteure im Energiesektor trotz
Kenntnis langfristig vielleicht viel sichererer und besserer Entwicklungschancen ... unter
dem täglichen Erfolgsdruck langfristig suboptimale Investitions- und
Energieverbrauchsentscheidungen. ... Die optimale Nutzung des kurzfristigen
Handlungsspielraums dominiert über die Bereitschaft zur Suche nach einem gemeinsam zu
realisierenden langfristigen Optimum". Zu den Energiepreisen heißt es: "Wettbewerber und Verbraucher richten ihr Energieangebot und ihre Energienutzung an Preisen aus, die durch Subventionen und fehlende Kostenanlastung nach dem Verursacherprinzip verfälscht sind." "Die Risiken des Energieeinsatzes durch Emissionen und Wachstumsschäden haben bisher kaum Einfluß auf Angebot und Nachfrage nach Energieträgern gehabt." "Der Energiesektor und die für seine Entwicklung maßgebenden Rahmenbedingungen sind auf Dauer nicht mehr stabil." (Die Studie soll im Physica-Verlag erscheinen.) |
| Wenn schon, denn schon |
Die Stadt Konstanz konnte aus einer Erbschaft einen neuen Dienstwagen für den Oberbürgermeister anschaffen. Bedingung der Erblasserin war, daß es ein Mercedes sein mußte. Eine Stadträtin wollte in Stuttgart anfragen lassen, ob es für die 71 kDM, die für den OB zur Verfügung standen, nicht ein Modell mit Brennstoffzellen gäbe. Sie soll damit bei den Kollegen "Kopfschütteln" ausgelöst haben. (Stuttgarter Nachrichten vom 2. Mai) |
| Anmerkung: Wenn die Begeisterung jetzt schon derartige Wellen schlägt, dürfte die Markteinführung des NECAR im Jahre 2005 oder so wohl kaum grundsätzliche Probleme aufwerfen. |
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Wasserstoff-Spiegel 3/98
Herausgegeben vom Deutschen Wasserstoff-Verband e.V., Berlin
V. i. S. d. P.: Dr. Ulrich Schmidtchen, Berlin