Neues vom Wasserstoff
Regionalvertrag
Drei europäische Regionen wollen zu Vorreitern der Wasserstofftechnologie in ihren jeweiligen Ländern werden und dabei untereinander kooperieren. Es handelt sich um das nördliche Ruhrgebiet (Bottrop, Gladbeck, Marl und Herten), Grenoble und Mailand. "Wasserstoff ist das Erdöl der Zukunft", sagte Gladbecks Bürgermeister Eckard Schwerhoff. Das nördliche Ruhrgebiet sei traditionell in Sachen Energie sehr kompetent. "Deswegen müssen wir unbedingt am Veredlungsprozess teilhaben. Wir müssen uns richtig aufstellen."
Das gemeinsame Ziel ist die nahtlose Wasserstoffkette: Erzeugung, Vertrieb und Anwendung, vorwiegend in Brennstoffzellen. Rund um den "Blauen Turm" in Herten, in dem Biomasse zu Wasserstoff wird, soll ein Wasserstoff-Kompetenzzentrum entstehen. Als Standortvorteil der Region erweist sich eine schon seit den 30er Jahren bestehende 240 km lange Pipeline, durch die schon jetzt bis zu 150 Millionen m 3 Wasserstoff pro Jahr verteilt werden.
( WAZ , 17. Dezember 2002)

München
Zwei neue Vorfeldbusse mit Wasserstoff-Antrieb von MAN Nutzfahrzeuge sollen im zweiten Quartal dieses Jahres die drei vorhandenen verstärken. Sie werden allerdings mit Brennstoffzellen angetrieben, die vorhandenen mit einem Verbrennungsmotor. Auch diese Busse werden den Treibstoff gasförmig in Behältern auf dem Dach speichern. Die Behälter und das übrige Speichersystem werden von der Ratinger Firma Dynetek Europe geliefert. Die bisher verkehrenden drei Busse haben seit Mitte 1999 300.000 km zurückgelegt.
Nachtrag
bitte beachten Sie dazu die Korrektur in der nächsten Nummer!
(Dynetek-Pressemitteilung vom 20. Februar 2003; s. Nr. 3/99 "Zweiter Streich" )

Teststand
Am 31. Januar 2003 nahm die TÜV Automotive GmbH, Mitglied der Gruppe TÜV Süddeutschland , in Garching bei München eines der modernsten Testcenter für Fahrzeug-Motoren und -Antriebsstränge offiziell in Betrieb. Hier können auch H 2 -Verbrennungsmotoren untersucht werden. Für Testläufe stehen in einem Kryotank 25 m 3 LH 2 bereit. Diese Menge ermöglicht kundenspezifische Dauerläufe im Mehrschichtbetrieb. Aufgrund des hohen Sicherheitsstandards sind die Prüfstände auch für Tests an Brennstoffzellen bzw. Brennstoffzellenantrieben geeignet.
(Pressemitteilung vom 31. Januar 2003; siehe auch "Nachlese" ) 
Übernahme
Die kanadische Firma Stuart Energy Systems Corporation hat die belgische Vandenborre Technologies NV übernommen. Das Geschäft hat einen Umfang von etwa 17 M€. Beide Firmen sind der Meinung, dass sie sich sowohl im technischen Programm als auch in der geographischen Orientierung gut ergänzen und streben gemeinsam eine weltweit führende Stellung auf dem Gebiet der Elektrolyse von Wasser an.
(Gemeinsame Pressemitteilung vom 23. Dezember 2002) 
Berlin Ein erster Vertrag zur Realisierung des Berliner Clean Energy Partnership Projekt wurde am 17. Dezember in Berlin von Vertretern der beteiligten Firmen und der Bundesregierung geschlossen. Damit wurde der Startschuss für Flächenanmietung, Bauantrag und Bau der Anlage gegeben. An dem Projekt sind auf Seiten der Bundesregierung neben dem Verkehrsministerium das Umwelt- und das Wirtschaftsministerium beteiligt, auf Seiten der Wirtschaft neben BP Ford, BMW, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Linde, NorskHydro, DaimlerChrysler, Opel, MAN Nutzfahrzeuge und Österreichische Elektrizitätswirtschaft AG Verbund.
(Pressemitteilung des Bundesverkehrsministeriums vom 17. Dezember 2002) 
Zweirad
Unter dem Namen "AQWON" hat Josef Zeitler aus dem oberpfälzischen Speinshart den ersten mit Wasserstoff angetriebenen Zweitakt-Motorroller mit TÜV-Gutachten und Zulassung vorgestellt. Der Motor basiert auf einem normalen Aggregat mit 50 cm 3 Hubraum. Der Wasserstoff wird in einem Hydridtank gespeichert. Dieser kann auch von Laien in drei bis vier Minuten aufgetankt werden, und der Inhalt reicht für etwa 100 km Fahrt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 50 km/h, die Leistung bei 2,6 kW. Mit einem Preis von etwa 5.600 €, geringem Wartungsbedarf und völliger Emissionsfreiheit soll das Fahrzeug konkurrenzfähig sein. Es wird auf der Hannover Messe erstmals vorgestellt werden.
(Pressemitteilung der AQWON Motors vom 22. Februar 2003) 
Opel
Opel testet derzeit den neuen Brennstoffzellen-Prototypen HydroGen 3. Er zeichnet sich unter anderem durch die Abwesenheit der schweren Pufferbatterie aus. So steht jetzt das volle Volumen des Kofferraums zur Verfügung. Vor allem aber kann die gesamte Antriebseinheit komplett vormontiert werden. Das rund 300 Kilogramm schwere Modul könnte am Band wie eine herkömmliche Antriebseinheit angeliefert und wie bei der klassischen "Hochzeit" montiert werden. Der Motor liefert 60 kW, beschleunigt von 0 auf 100 km/h in 16 s und weiter bis auf maximal 160 km/h. Die Reichweiten liegt je nach Tanksystem zwischen 270 und 400 km. (General-Motors-Pressemitteilung vom 15. Dezember 2002)
Zusammen mit dem Zustelldienst Federal Express Corporation ("FedEx Express") werden einige Exemplare des HydroGen 3 von Juni 2003 bis Juni 2004 im normalen Zustelldienst in Tokio und Umgebung eingesetzt werden. (General-Motors-Pressemitteilung vom 17. Dezember 2002)

Barth
Die amerikanische Firma Proton Energy Systems hat einen Membranelektrolyseur nach Barth an der Ostsee geliefert, wo er für ein Busprojekt eingesetzt werden wird. Der Bus, der ab dem kommenden Sommer von einer lokalen Firma betrieben werden soll, soll im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft für emissionsfreien Verkehr sorgen. Der Sauerstoff geht in die örtliche Kläranlage.
(s. Nr. 4/02 "Barth" ) 
700 bar
Unter dem Namen Hydrogen 700 Project wollen führende Autohersteller die Technik der Speicherung von Wasserstoffgas im Fahrzeug unter 700 bar weiter voran treiben. Zu den Autofirmen gehören DaimlerChrysler, Ford, Hyundai, Nissan, PSA Peugeot-Citroën und Toyota. Koordiniert wird das Projekt von der kanadischen Powertech Labs of Canada zusammen mit Kokan Drum (Japan). Vorgesehen ist ein Testprogramm, dessen Ergebnisse als Grundlage für die internationale Normung und Regelsetzung (ISO TC 197, EIHP) für solche Speichersysteme dienen sollen. Während die Speicherung von Gas unter Drücken bis 350 bar beim Erdgas schon Routine ist, stellt der Sprung auf das Doppelte eine technische Herausforderung dar. Andererseits verbessert man dadurch die Energiedichte im Tank. Das Projekt soll dazu beitragen, die Technik einheitlich in die Branche einzuführen.
(Pressemitteilung von Powertech vom 6. Februar 2002) 
Kampfstark
Die US-Armee will bis Ende des Jahrzehnts ihre 30.000 leichten taktischen Fahrzeuge austauschen. Am 9. Januar stellte General Motors der Armee das erste Exemplar eines Hybrid-LKW zur Verfügung, der seine Sekundärenergie aus einer Brennstoffzelle bezieht. Das System liefert 5 kW und wurde von Hydrogenics geliefert. Während das Fahrzeug von seinem Dieselmotor angetrieben wird, erzeugt ein PEM-Elektrolyseur nebenher Wasserstoff und speichert ihn in Metallhydrid-Tanks. Diese wiegen nur zwei Drittel eines vergleichbaren Batteriesystems und nehmen den halben Platz ein. Bei stehendem Motor erzeugt eine Brennstoffzelle Strom, und das dabei entstehende Wasser wird für die Wiederholung des Prozesses aufbewahrt. Dass das mit keinem Lärm und verhältnismäßig wenig Wärme verbunden ist, ist ein großer Vorteil für mancherlei militärische Aktivität. Bei General Motors hofft man natürlich, dass ein Kunde dieser Größenordnung die Produktionszahlen in die Höhe und die Kosten in den Keller treibt.
(GM-Pressemitteilung vom 9. Januar 2003) 

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