Neues vom Wasserstoff
Europakonferenz
Vom 2.-5. September fand in Grenoble die 1. European Hydrogen Energy Conference (EHEC) statt. Sie ist die Nachfolgerin der "Hypothesis"-Serie. Mehr als 450 Teilnehmer aus 34 Ländern waren anwesend. Die nächste EHEC wird im Oktober 2005 in Madrid sein.
Bemerkenswert war die politische Unterstützung aus Paris und Brüssel. Energiekommissarin Loyola de Palacio und Forschungskommissar Busquin waren anwesend oder vertreten (s. die Meldung "Plattform" ). Für die französische Regierung hatten sich das Wirtschafts-, das Forschungs- und das Energieministerium an der finanziellen Unterstützung beteiligt. Allen Verantwortlichen in Frankreich steckte immer noch die "Canicule" in den Knochen, die "Affenhitze", die fast 15.000 Todesopfer gefordert haben soll. (S. die Meldung "Heiß geht's her" )
Die Inhalte drehen sich mit den Jahren immer weniger um technische und wissenschaftliche Details, sondern um wirtschaftliche Fragen. Offenbar richtet sich alle Welt darauf ein, dass Wasserstoff und Brennstoffzellen zum Wirtschaftsfaktor werden. Das Ob ist überhaupt nicht mehr die Frage, sondern wie man das am geschicktesten anfängt und wo man dann selbst stehen wird.
Ein wichtiger Punkt war, wo der Wasserstoff denn herkommen soll. Die heutige Produktion der EU könnte 15 bis 25 Millionen Autos versorgen; aber da sie zum größten Teil auf Erdgas beruht, ist das keine nachhaltige Lösung. Physik-Nobelpreisträger Carlo Rubbia, jetzt Chef der italienischen Umweltbehörde ENEA , und Prof. Winter aus Deutschland gingen in ihren Beiträgen auf Übergangslösungen ein, bei denen Kernenergie und Kohle die Lücke zu den erneuerbaren Energien füllen.

Tankstelle Hamburg
Am 15. September wurde die Tankstelle für die drei Hamburg er Linienbusse des EU-Projekts CUTE (Clean Urban Transport for Europe) der Bestimmung übergeben. Dieser Teil des CUTE-Projekts dient der Prüfung der Technik unter harten Einsatzbedingungen. Mario Mettbach, Senator für Bau und Verkehr, sowie Umwelt- und Gesundheitssenator Peter Rehaag vertraten den Senat.
Das Projekt wird zur Hälfte seines Umfangs von 6 M€ von der EU (2,1 M€) und dem BMWA (0,9 M€) finanziert, den Rest teilen sich die Industriepartner Hochbahn , HEW und bp. DaimlerChrysler steuert die drei Busse bei, die norwegische Firma Norsk Hydro Electrolysers den Elektrolyseur.
Die Busse speichern den Wasserstoff in Druckbehältern auf dem Dach unter maximal 300 bar. Die Brennstoffzellen erzeugen 280 kW. Eine Tankfüllung reicht für rund 250 km, und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei ca. 70 km/h.
Am 13. Oktober nahm auch die Stadt Luxemburg ihre Tankstelle in Betrieb. Insgesamt nehmen zehn europäische Städte an dem Versuch teil.

Schweden
Die erste Wasserstoff-Tankstelle Schwedens wurde am 11. September in Malmö eröffnet. Betreiber ist der Energieversorger Sydkraft, die Wasserstofftechnik kommt von Stuart / Vandenborre . Sowohl reiner Wasserstoff als auch ein Gemisch mit Erdgas werden abgegeben. Der Wasserstoff wird durch Elektrolyse erzeugt, der Strom dafür aus Windkraft. Pro Tag werden 700 Nm 3 erzeugt, was für etwa 25 PKW reicht. Eine ähnliche Station für Busse entsteht in Stockholm im Rahmen des CUTE-Projekts.
(Stuart-Pressemitteilung vom 11. September 2003)

Medientag
Die Linde AG veranstaltete am 1. Oktober in München einen "Medientag Wasserstoff". Geboten wurden ein Vortragsprogramm und eine Demonstration zu den sicherheitstechnischen Eigenschaften von Wasserstoff. Der Schwerpunkt lag bei den mobilen Anwendungen.
DWV-Vorstandsmitglied Reinhold Wurster zog in seinem Referat unter dem Titel "Deutschland hat seinen Vorsprung verloren" eine kritische Bilanz der letzten Jahre. Auf Bundesebene wird Wasserstoff in Deutschland praktisch überhaupt nicht mehr gefördert. Prestigeprojekte der Vergangenheit sind ausgelaufen, ohne konkrete Folgen gehabt zu haben. Selbst die Unterstützung der EU bleibt weit hinter dem zurück, was in Japan und den USA geschieht. In Japan durften noch 2000 überhaupt keine Wasserstoff-Autos auf öffentlichen Straßen fahren. Auf Druck der Regierung wurde dann das Regelwerk geändert. Jetzt gibt es allein im Großraum Tokio zehn Wasserstoff-Tankstellen.
Zur Erzeugung sagte Wurster: "Wasserstoff ist kurzfristig in großen Mengen verfügbar und ökologisch sinnvoll. So fällt Wasserstoff bei vielen Prozessen der chemischen Industrie an." Die Überschüsse würden für 350.000 bis 650.000 PKW reichen. Eine andere Quelle seien die Überkapazitäten der Stromerzeuger, vor allem in Wasserkraftwerken. Die könnten "weltweit genutzt werden, um im großen Stil Wasserstoff aus regenerativen Energiequellen zu erzeugen - ohne dass dafür ein einziges neues Kraftwerk gebaut werden müsste."

Wasserstoff-Expo
Zum dritten Mal fand vom 9. bis 11. Oktober in Hamburg die H2-Expo statt, die einzige Spezialmesse für das Thema in Deutschland und auch in Europa. Die Ausstellerzahl ging im Vergleich zum letzten Jahr merklich auf 45 zurück. Beim Besucherinteresse konnte man dagegen gar keinen Rückgang wahrnehmen. Alle Aussteller berichteten von mehr Besuchern als früher an ihrem Stand, und auch die Qualifikation der Besucher und das Niveau der Gespräche wurde allgemein gelobt.
Der DWV-Vorsitzende Dr. Johannes Töpler sagte bei der Eröffnungsveranstaltung, die langfristig nötigen Entwicklungen müssten jetzt in Gang gesetzt werden, so wie in den USA und Japan. Töpler nahm die Bundesregierung beim Wort, die durch Außenminister Fischer vor der UN-Vollversammlung verkündet hatte: "Es muss im Interesse aller Staaten liegen, den Übergang vom Öl- zum Wasserstoffzeitalter schnellstmöglich zu vollziehen". (S. unsere Pressemitteilung 8/03 vom 9. Oktober 2003)
Simone Probst, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, bezeichnete den Wasserstoff als "idealen Energieträger der Zukunft" und hob seine zukünftige Bedeutung insbesondere im Straßenverkehr hervor. (Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums vom 9. November 2003; vgl. die Meldung "Chinaprojekt" )

Wind und Wasserstoff
Der kanadische Elektrolyseur-Hersteller Stuart , der norwegische Energieversorger Statkraft und die spanische Corporación Energía Hidroeléctrica de Navarra (EHN) wollen ein speziell auf die Bedürfnisse von Windparks zugeschnittenes Energiespeicher-System entwickeln. Elektrolyse und Brennstoffzellen können als Puffer dienen, um die schwankende Energieproduktion eines Windparks und die ebenso schwankende Nachfrage nach Strom in Einklang zu bringen.

Island
Island arbeitet weiter an der "Wasserstoff-Gesellschaft". Den aktuellen Stand präsentierte Jón Björn Skúlason, Geschäftsführer der Icelandic New Energy , am 11. Oktober in Hamburg. 60 % der Isländer leben in der Hauptstadt Reykjavik, fast alle übrigen in Küstennähe an oder nahe der einzigen großen Fernstraße, die rund um die Insel führt. Daher braucht man für die flächendeckende Versorgung mit Wasserstoff als Treibstoff außerhalb Reykjaviks nur an vier Orten eine Tankstelle. Der Wasserstoff für Reykjavik soll durch Elektrolyse zentral erzeugt und durch eine Pipeline verteilt werden. Auf dem Land befindet sich ein Elektrolyseur an jeder Tankstelle. Der Aufbau einer solchen Infrastruktur würde je nach gewählter Option 2,44 bis 4,07 G€ kosten.

Chinaprojekt
Die deutsche und die chinesische Regierung planen eine Gemeinsame Erklärung über die "Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Einsatzes alternativer und regenerativer Energien im Verkehr". Partner sind für China das Ministerium für Forschung und Technik und für Deutschland das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen . Bundesminister Manfred Stolpe wird die Erklärung anlässlich des HYFORUM 2004 in Peking mit seinem chinesischen Amtskollegen unterzeichnen.
In dem Dokument erklären sich die Partner zu einer vertieften Zusammenarbeit bei der Verbesserung der Energieeffizienz und der verstärkten Entwicklung und Anwendung neuer und erneuerbarer Energien im Bereich des Straßenverkehrs bereit. Die Herstellung von synthetischen Kraftstoffen und Wasserstoff spielt die Hauptrolle. Der Wasserstoff soll einerseits für die Herstellung dieser synthetischen Kraftstoffe, andererseits für Fahrzeuge verwendet werden. Die Olympischen Spiele 2008 in Peking sollen nach dem Willen der chinesischen Führung die grünsten werden, die es je gab.

Tanken zu Hause
Honda und Plug Power demonstrierten am 2. Oktober ein System, das an die Erdgasleitung angeschlossen wird und sowohl mittels Reformer und Brennstoffzelle warmes Wasser und Strom für den Haushalt liefern und letzteren auch ins Netz speisen als auch den Drucktank eines Autos füllen kann. Für einmal Tanken am Tag reicht es. Das geschieht in wenigen Minuten. Externer Strom wird nicht gebraucht.

Boote
Am 22. Oktober stellte MTU Friedrichshafen in Kressbronn am Bodensee die erste vom Germanischen Lloyd zertifizierte Segeljacht mit Brennstoffzellen-Antrieb vor. Die Zelle stammt von Ballard, das System von MTU. Die Zelle leistet 4 kW auf Dauer und 20 kW Spitze. MTU-Chef Rolf Hanssen sagte, das System sei zwar noch nicht reif für die breite Markteinführung, aber man wolle zeigen, dass man mobile Brennstoffzellenantriebe erfolgreich herstellen könne.
(MTU-Pressemitteilung vom 22. Oktober 2003)


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