Neues vom Wasserstoff
Italien
Am 30. Oktober fand in Mailand die konstituierende Mitgliederversammlung des neuen italienischen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verbandes H2IT statt. Das erste öffentliche Lebenszeichen der neuen Organisation war am 26. und 27. November eine zweitägige Konferenz in Mailand, die am Rande der Energiemesse abgehalten wurde. Ein Tag war der Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbaren Primärenergien gewidmet, der andere den Sicherheitsfragen. Die Resonanz beim Publikum übertraf die Erwartungen. Mehr als 200 Teilnehmer sorgten für eine ziemliche Enge im Tagungsraum.

Washington
Vom 18. bis zum 21. November fand in der US-Bundeshauptstadt ein Ministertreffen zur Gründung der von den USA angeregten International Partnership for the Hydrogen Economy (IPHE) statt. 15 Staaten (Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Island, Italien, Japan, Kanada, Norwegen, Russland, Südkorea, USA) und die EU-Kommission unterzeichneten die "Terms of Reference" mit einer Laufzeit von zunächst 10 Jahren.
Die IPHE soll für einen Mechanismus sorgen, der wirksame und gezielte gemeinsame Forschung unterstützt und andere Aktivitäten fördert, die zum Fortschritt der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik beitragen. Durch die in der IPHE gegebene Koordination sollen die verstreuten Ressourcen auf möglichst effektive Weise an die Probleme angesetzt werden. Außer Forschung, Entwicklung und Demonstration soll die IPHE auch die Arbeit at Regeln und Normen sowie an der sicheren Anwendung von Wasserstoff unterstützen. Das soll in enger Zusammenarbeit mit der International Energy Agency (IEA) geschehen.
Präsident Bush sandte ein Grußwort, in dem er Wasserstoff-Brennstoffzellen als eine der ermutigendsten, innovativsten Technologien unserer Zeit nannte. Gastgeber Abraham betonte den ernsthaften Willen der USA zu Fortschritten und drückte aufs Tempo: "Es reicht nicht, wenn wir in 100 Jahren erfolgreich sind. Nicht einmal in 50 Jahren. Wir müssen greifbare Ergebnisse in den nächsten zwei Jahrzehnten erreichen. Diese Partnerschaft ist das richtige Mittel, um das zu schaffen." Die ins Auge gefasste globale Umstellung sei in ihrer Dimension atemberaubend.
Die Europäische Kommission, vertreten durch die Vizepräsidentin und Energiekommissarin Loyola de Palacio, versprach ihre Mitwirkung. Europa habe viel zu bieten und wolle diese Bausteine einfügen. Sie wies auch auf die eigene Forschungsplattform der Kommission zu diesem Thema hin. "Wir lehnen uns nicht einfach zurück und harren der Dinge", sagte sie wörtlich.
Für die Bundesregierung sagte Staatssekretär Adamowitsch (BMWA): "Wir gehören durch langjährige staatliche Forschungsprogramme und großes industrielles Engagement zu den führenden Nationen bei Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologien. Daher wollen wir einen wesentlichen Beitrag zur IPHE leisten." Auch er wies auf die gleichzeitig entstehende Technologie-Plattform der Europäischen Kommission hin und sagte: "Ich rufe die einschlägigen Unternehmen zur engen Zusammenarbeit und zur aktiven Beteiligung auf, denn die Bundesregierung will und kann unsere Interessen nicht allein vertreten".
Zwei Komitees wurden in Washington eingesetzt: ein politisch ausgerichteter Lenkungsausschuss und ein fachlich orientiertes Umsetzungskomitee. Dieses Komitee wird zunächst für zwei Jahre von Deutschland und Island gemeinsam geleitet.

Tankstelle Beriln
Am 25. November setzte Iris Gleicke, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, die Bauarbeiten für die Berliner Wasserstoff-Tankstelle der Clean Energy Partnership (CEP) in Gang. Das Konsortium besteht seitens der Industrie aus Aral, der BMW Group, den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), DaimlerChrysler, Ford, GM/Opel, Hydro/GHW, Linde und Vattenfall Europe. Bundesregierung und Firmen investieren insgesamt 33 M€. Die Fahrzeughersteller werden eine Testflotte von zunächst 16 PKW mit Wasserstoff-Technik unterhalten. Die Autos werden an Kunden übergeben. Der gasförmige Wasserstoff wird direkt in der Tankstelle durch Wasserelektrolyse erzeugt und verdichtet. Tiefkalt verflüssigter Wasserstoff kommt per Tankwagen.

Hongkong
Ford, der kanadische Elektrolyseurhersteller Stuart und die in Hongkong ansässige Cheung Kong Infrastructure Holdings planen eine Flotte von Wasserstoff-Bussen mit Verbrennungsmotor in Hongkong. Die Flotte soll in der Endstufe 30 Fahrzeuge umfassen und wird als Probelauf für die Olympischen Spiele 2008 in Peking angesehen. Dort sollen zwischen 10 und 100 Wasserstoffbusse für sauberen Transport sorgen.
Stuart und Cheung Kong planen darüber hinaus die Vermarktung von kleinen Elektrolyseur-Stationen, die zur Notversorgung von Gebäuden dienen und in dieser Funktion die in Hongkong sehr verbreiteten Dieselgeneratoren ersetzen können. Diese Geräte ließen sich auch als Tankstellen einsetzen. Cheung Kong rechnet damit, dass die auf den Straßen sichtbaren Fahrzeuge das Interesse der Öffentlichkeit an der neuen Technologie fördern werden.
( Dow Jones Newswires , 23. Oktober 2003)

DaimlerChrysler
Sieben Brennstoffzellen-Autos auf Basis der A-Klasse von Mercedes werden im April für zwei Jahre ihren Testbetrieb in Singapur aufnehmen. Ähnliche Programme starten in Deutschland, den USA und Japan. Interessant an Singapur ist einerseits das Klima, andererseits der in dem Kleinstaat ausschließlich anzutreffende Stadtverkehr. Die Fahrzeuge sollen an Privatleute und Regierungsstellen verliehen werden. Dadurch soll auch die öffentliche Meinung zu Gunsten des Wasserstoffs beeinflusst werden. ( Singapore News , 27. Oktober 2003)
Bis Ende 2004 will DaimlerChrysler weltweit mehr als 100 Brennstoffzellenfahrzeuge auf der Straße haben. Auf einer Veranstaltung in Kalifornien im November sagte Andreas Truckenbrodt, Entwicklungschef für die Brennstoffzelle und fortgeschrittene Antriebe, man habe die Durchführbarkeit des Brennstoffzellenkonzepts demonstriert und sehe darin die Lösung für die Zukunft. Der nächste Schritt sei die Alltagstauglichkeit. Um die Wende des Jahrzehnts werde es die ersten Modelle käuflich zu erwerben geben. Ihr Treibstoff werde komprimiertes Wasserstoffgas sein. Reformer, die den Wasserstoff aus Kohlenwasserstoffen erzeugen, seien zu teuer und kompliziert. Die Frage sei nicht mehr, ob wir solche Fahrzeuge haben werden, sondern nur noch, wann sie kommen. (Pressemitteilung vom 14. November 2003)

Transport
Mit Wasserstoff beladene Metallhydrid-Behälter durften bisher nicht oder nur mit Sondergenehmigung auf der Straße oder mit der Bahn transportiert werden, weil sie in den Listen der jeweiligen Gefahrgutverordnungen nicht enthalten waren. Die Gemeinsame Tagung von ADR (zuständig für den Transport von Gefahrgut auf der Straße) und RID (Eisenbahn) hat Anfang Oktober eine Ergänzung der Stofflisten beschlossen. "Wasserstoff in einem Metallhydrid-Speichersystem" ist jetzt ein Gefahrstoff der Klasse 2 mit der UN-Nummer 3468. Alle Mitgliedstaaten, auch die Staaten der EU, müssen dies jetzt in nationales Recht umsetzen. Zum 1. Januar 2005 treten die neuen Regeln in Kraft.

Strategie
Im Jahre 2010 sollen Wasserstoffautos reif für die gewerbliche Produktion sein, und 2020 sollen eine Million davon auf der Straße fahren. Dieses Ziel wiederholte Christine Sloan, Chefin der General-Motors-Abteilung Advanced Technology Strategy, Ende Oktober auf einer Tagung in Australien. Die großen Beträge, die die Industrie dafür investiere, seien die beste Gewähr für die Realität dieses Ziels. Die größten technischen Hürden seien die Wasserstoff-Speicherung und die Infrastruktur. Die Vorteile der Fahrzeuge seien die Mühe aber wert. Wichtig sei vor allem die Zusammenarbeit von Fahrzeugbauern, Energieproduzenten und Regierungen rund um die Welt. General Motors jedenfalls würde pro Jahr 100 M$ investieren und in jedem Fall bei der Stange bleiben.
( Asia Pulse , 28. Oktober 2003)


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