Neues vom Wasserstoff
Hannover 2004
Ein klares Zeichen für eine positive künftige Entwicklung von Wasserstoff und Brennstoffzellen ging von dem diesjährigen Gemeinschaftsstand "Wasserstoff und Brennstoffzellen" auf der Hannover Messe aus. Die Messe an sich hatte einen ansehnlichen Rückgang an Besuchern und Ausstellern zu verzeichnen. Letztes Jahr war auch der Gemeinschaftsstand "Wasserstoff und Brennstoffzellen" geschrumpft, was die Fläche betraf. Dieses Jahr war die Delle fast überwunden.
Langsam kommen Produkte für den Endverbraucher auf den Markt. Ballard vertreibt einen Kleingenerator unter dem Namen AirGen. Er erzeugt 1,2 kW elektrischer Leistung aus Wasserstoff. Allerdings gilt dieses Angebot im Moment nur für Nordamerika. Der AirGen soll etwa 6500 $ kosten.
Die Landesinitiativen aus Mecklenburg-Vorpommern und Hessen hatten eigene Stände, auf denen sich kleine und mittlere Unternehmen sowie Forschungsinstitute präsentieren konnten. Das Duisburger Zentrum für Brennstoffzellen-Technologie zeigte eine APU (Auxiliary Power Unit, also periphere Stromversorgung) für Anwendungen auf Segelyachten und anderen Wasserfahrzeugen der gehobenen Klasse.
Unter den VIP-Besuchern stand auch dieses Jahr Bundeskanzler Schröder an erster Stelle; er lässt den Stand auf seinem Eröffnungsrundgang nur selten aus. Umweltminister Trittin war dabei. Auch Bundeswirtschaftsminister Clement war da. Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck folgte dichtauf, und sein Thüringer Kollege Althaus gab sich am Donnerstag die Ehre.
Die Hannover Messe ändert ihr Gesicht: sie wird immer spezialisierter und fachbezogener. Auch der Wasserstoff-Stand ändert sich: er wird immer mehr von einem Forschungs- zu einem Wirtschaftsthema. Schließlich gab es ja einmal eine Zeit, als die Präsentation in der Forschungshalle stattfand. Jetzt hat sie schon seit einer Reihe von Jahren ihren festen Platz in der Energiehalle. Das entspricht dem veränderten Profil der Aussteller. Außer Unternehmen, die direkt fachspezifisch an Wasserstoff und Brennstoffzellen arbeiten, sieht man auch immer mehr Aussteller, die die Peripherie dafür anbieten, also etwa Prüfsysteme, Werkstoffe oder Dienstleistungen aller Art.

Kalifornien
Gouverneur Schwarzenegger drängt energisch aufs Tempo bei der Realisierung seiner Pläne, Kalifornien bis 2010 mit einem mehr oder weniger flächendeckenden Netz von Wasserstoff-Tankstellen zu versehen (s. Nr. 1/04 "Kalifornien" ). 200 Stationen müssten es sein. Immerhin 21 davon existieren schon oder werden bis Jahresende arbeiten. Dabei geht es nicht nur um die Umwelt, das Wohl der Autofahrer oder das der Hersteller. Der Staat muss auch bis 2010 recht strenge Auflagen der Bundesgesetzgebung für saubere Luft erfüllen, sonst verliert er Fördermittel aus Washington für den Straßenbau in Milliardenhöhe. Schwarzenegger unterzeichnete in Anwesenheit der Medien eine Verordnung über die Errichtung eines "Hydrogen Highway", welche die zuständigen Behörden verpflichtet, mit Privatunternehmen und Forschungsinstituten den Aufbau des Tankstellennetzes voranzutreiben. Sogar Steuererleichterungen oder Subventionen würde er nicht scheuen - wahrlich ein großes Wort angesichts der Tatsache, dass er seine Wahl nicht in erster Linie den Wasserstoff-Freunden, sondern der Angst vor dem unmittelbar drohenden Staatsbankrott verdankt. 
Alles im Rahmen
Die bei der ersten Ausschreibung für "Nachhaltiges Wachstum" im 6. Forschungs-Rahmenprogramm der Europäischen Kommission erfolgreichen Vorschläge sind jetzt in Vertragsform gegossen worden, und die Arbeit hat in den vergangenen Wochen angefangen.
Eines der wasserstoffrelevanten Vorhaben ist ein Integriertes Projekt namens StorHy; es geht um die Speicherung von Wasserstoff. Ziel und technischer Inhalt des Projekts, mit dessen Koordination die österreichische Firma Magna Steyr betraut ist, ist die Entwicklung eines Wasserstoff-Speichersystems für mobile automotive Anwendungen. Dabei werden die Speicherformen gasförmig, flüssig und Festkörper sowie der Einsatz neuer Technologien und Materialien berücksichtigt werden. Den Startschuss bildete ein Treffen der 36 beteiligten Partner Anfang März in Graz. Zugegen waren Vertreter von Automobilherstellern und -zulieferern, Produzenten von Industriegasen, Forschungseinrichtungen sowie der EU. Das Projekt läuft bis 2008 und weist ein Gesamtvolumen von 18,7 M€ auf. ( Kleine Zeitung , 2. März 2004)
Unter dem Namen HySafe (Sicherheit von Wasserstoff) startete zur gleichen Zeit ein "Network of Excellence". Dieser Vorhabentyp zielt weniger auf die konkrete Lösung bestimmter Probleme, sondern auf die vertiefte Zusammenarbeit der Teilnehmer und deren bessere Integration. HySafe, das vom Forschungszentrum Karlsruhe koordiniert wird, bringt 25 europäische Partner aller Art zusammen, die sich um Risikoabschätzung, Informationsverbreitung, Normung und Regelung sowie Ausbildung kümmern wollen. Auch der Aufbau eines Virtuellen Labors ist geplant.
In Brüssel wird schon am 7. Rahmenprogramm gebaut. Der Informationsdienst CORDIS hat ein neues Webportal dazu eröffnet. Es ist Teil der Webseiten zum Europäischen Forschungsraum und umfasst außer Informationen auch Links zu den bisher dazu veröffentlichten Dokumenten. 
Istanbul
Die UNIDO (United Nations Industrial Development Organization) gründet in Istanbul ein International Centre for Hydrogen Energy Technology (ICHET). Die Kosten in Höhe von 40 M$ trägt im vollen Umfang die Türkei. Nicht nur der Türkei wird damit geholfen, die Abhängigkeit vom Öl zu überwinden, sondern das Zentrum soll die vorhandenen Technologien auch in andere Länder transferieren, damit sie sich stärker auf erneuerbare Quellen stützen können. UNIDO-Generaldirektor Carlos Magariños sagte dazu: "Im Moment haben zwei Milliarden Menschen, ein Drittel der Menschheit, keinen Zugang zu Energie. Wasserstoff ist der ideale Kraftstoff: er ist billig und hat keinen Einfluss auf den Grad der Verschmutzung."
Für den Juli 2005 ist in Istanbul eine internationale Konferenz zu dem Thema geplant (s. Terminkalender ). Eine Delegation von Abgeordneten des türkischen Parlaments reiste nach Hannover zur Messe und sah sich den Gemeinschaftsstand "Wasserstoff und Brennstoffzellen" ausführlich an. 
Opels Marathon
General Motors will die Standfestigkeit und Alltagszuverlässigkeit seines Prototypen HydroGen 3 testen und gleichzeitig Reklame für die Technik machen. Dazu startet am 3. Mai eine 10.000 km lange Reise quer durch Europa. Es geht von Europas nördlichster Stadt Hammerfest (Norwegen) durch 14 Länder nach Portugals Hauptstadt Lissabon und dann zum nahen Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlands. In Deutschland führt die Route von Kopenhagen kommend über Hamburg nach Amsterdam und später von Paris kommend über das heimatliche Rüsselsheim nach Zürich; die Etappe von dort nach Salzburg geht ebenfalls durch Deutschland. 
Island
Drei Brennstoffzellenbusse sind seit Oktober 2003 in der isländischen Hauptstadt Reykjavik im Einsatz. Sie verkehren auf einer Stadtlinie, die vom Fischereihafen über das Stadtzentrum zu einigen Wohn- und Einkaufsgebieten führt. In diesen Monaten wurden schon einige Erfahrungen gesammelt.
Die Fahrer und das Wartungspersonal sind zur neuen Technik positiv eingestellt. Auch die Allgemeinheit nimmt die neuen Fahrzeuge sehr positiv auf. Das sind die ersten Ergebnisse einer Akzeptanzstudie, die von Studenten parallel zum Fahrbetrieb durchgeführt wird. Erste Befragungen fanden im März statt, und eine zweite Runde ist für den Dezember geplant. (Zur Akzeptanz siehe auch die Meldung "War da was?" )
Die Projektfirma Icelandic New Energy führt während der Sommermonate Führungen für Besucher aus dem In- und Ausland zu den isländischen Wasserstoffprojekten durch. 
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