Neues vom Wasserstoff
Bundeskanzler
Bundeskanzler Gerhard Schröder ist der erste Regierungschef in Europa, der einen Wasserstoff-Dienstwagen in der Garage zu stehen hat. Am 18. August übergab DaimlerChrysler ein Fahrzeug des Typs F-Cell, auf Basis der A-Klasse von Mercedes, auf ein Jahr leihweise an den Fuhrpark des Bundeskanzleramtes. Es handelt sich um einen Teil Clean Energy Project Berlin, in dem insgesamt zehn solcher Autos von verschiedenen Kunden im Alltag ausprobiert werden sollen. Ende dieses Jahres sollen 60 Wagen in verschiedenen Teilen der Welt rollen. Mercedeschef Jürgen Hubbert hob das Potential der Technik hervor, Mobilität und Umweltverträglichkeit unter einen Hut zu bringen. Als im Moment wichtigste Aufgaben nannte er Kosten und Zuverlässigkeit sowie den Aufbau der Infrastruktur.
Der Bundeskanzler bemerkte, er käme gerade von einer Pressekonferenz, bei der die Auswirkungen des gegenwärtigen Ölpreises eine wichtige Rolle gespielt hätten. Vor diesem Hintergrund sei „die Brennstoffzelle ... ein wichtiger Beitrag, Mobilität nachhaltig sicher zu stellen und in einen ökonomisch und ökologisch vertretbaren Rahmen zu bringen. ... Ich bin froh, dass DaimlerChrysler dazu einen herausragenden Beitrag leistet und Schrittmacher dieser Zukunftstechnologie ist.“

Weltkonferenz
Die 18. Welt-Wasserstoffkonferenz (WHEC) findet vom 16. bis 21. Mai in Essen statt. Die 16. Tagung der Reihe ist 2006 in Lyon und die 17. 2008 in Brisbane. Die Vergabe der 18. Konferenz nach Deutschland ist das Ergebnis einer Initiative der Landesinitiative Zukunftsenergien NRW zusammen mit dem DWV, dem Forschungszentrum Jülich, dem Europäischen Wasserstoff-Verband (EHA), der Wasserstoffinitiative Bayern, dem ZSW Baden-Württemberg und der Messe Essen. Zuletzt war die WHEC 1996 in Stuttgart in Deutschland zu Gast.

Norwegen
Seit dem 1. Juli zeigt die kleine norwegische Insel Utsira dem Rest der Welt, wie es geht. Sie verfügt jetzt über zwei Windturbinen der deutschen Firma Enercon. Die Windverhältnisse auf der Insel vor der südwestlichen Küste Norwegens sind im Prinzip hervorragend. Allerdings weht der Wind, wenn er will. Es gibt sogar im Jahr einige Tage mit totaler Flaute. Um die Unterschiede zwischen Angebot und Nachfrage auszugleichen, ist eines der Windräder an einen Elektrolyseur der norwegischen Norsk Hydro Electrolysers angeschlossen, der Wasserstoff erzeugt.
Die Eröffnung erfolgte durch Thorhild Widvey, die norwegische Ministerin für Erdöl und Energie. Auch der Chef des Energie- und Aluminiumkonzerns Hydro (Mutterfirma von Norsk Hydro Electrolysers) nahm Teil. Er lobte die Unterstützung, die das Projekt von der Gemeinde und der ganzen Einwohnerschaft erfahren hatte. Die Ministerin bezeichnete das Projekt als "eines der innovativsten Energieprojekte in der Welt".

Ford verbrennt
Am 13. Juli präsentierte Ford in Stuttgart einen Focus C-Max mit einem Wasserstoff-Verbrennungsmotor. Als Speicher dienen drei Druckbehälter unter einem maximalen Betriebsdruck von 350 bar und einem Volumen von 119 l. Der Motor leistet 82 kW. Diese Kombination reicht für eine Reichweite von 200 km. Bis Autos mit Brennstoffzellenantrieb technisch und ökonomisch ausgereift sind, könnten Fahrzeuge mit Wasserstoff-Verbrennungsmotoren dafür sorgen, eine "Nachfrage nach Wasserstoff zu erzeugen, und somit helfen, die bislang fehlende Wasserstoffinfrastruktur aufzubauen", wie Ford mitteilte.

Singapur
Im Juli bekam Singapur seine erste Wasserstoff-Tankstelle, und eine Flotte ist auch da. Die Tankstelle wurde von BP errichtet und gehört zu einer normalen Station. Die Wasserstofftechnik wurde von Air Products geliefert. Zur gleichen Zeit wurde der National Environment Agency der erste von sechs Brennstoffzellen-Mercedes der F-Cell-Serie übergeben. Noch fünf weitere Fahrzeuge werden bei Lufthansa, Michelin, ein Hotel und BP sowie bei DaimlerChrysler selbst im alltäglichen Probebetrieb laufen.
(The Straits Times, 20. Juli 2004)

Sicherheitsstudie
Die National Highway Traffic Safety Administration der USA will eine Sicherheitsstudie über Wasserstoffautos in Gang bringen. Sie soll genauer als bisher zeigen, was passiert, wenn mit Wasserstoff betankte Fahrzeuge in Unfälle verwickelt werden. Die Behörde plant eine Projektdauer von vier Jahren und einen finanziellen Umfang von 5 M$, was aber von der Höhe der zur Verfügung stehenden Mittel abhängt.
(Automotive News, 1. August 2004)

Zugelassen
Die japanischen Behörden haben General Motors die Zulassung für ein Wasserstoffgas-Speichersystem mit einem maximalen Betriebsdruck von 700 bar erteilt. Das System wird von dem GM-Partner Suzuki in den nächsten Prototypen eingebaut werden, der noch in diesem Jahr vorgestellt wird. Bisher ist General Motors das einzige Unternehmen, das solche Systeme in Autos betreibt. Die Behälter aus Verbundwerkstoff stammen von der kalifornischen Firma Quantum Fuel Systems Technology Worldwide.
(GM-Pressemitteilung vom 5. August)

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