Neues vom Wasserstoff
Leuna
Die Linde AG konkretisiert ihre Pläne, die Autos der schon recht nahen Zukunft mit Wasserstoff als Treibstoff zu versorgen. Angeblich ist Leuna ein heißer Favorit für eine neue Anlage für diesen Zweck. Dort wird ohnehin schon Wasserstoff im großen Maßstab produziert, allerdings nicht für Autos oder überhaupt für den Markt, sondern für die Chemieindustrie. Als Treibstoff soll er dort auch flüssig bereitgestellt werden. Dies geschieht bisher in Deutschland nur in Ingolstadt (auch bei Linde). Parallel zu diesem Projekt will der Konzern in Leuna unter Umständen eine Tochtergesellschaft gründen, in der die Wasserstoff-Aktivitäten gebündelt werden.
(Mitteldeutsche Zeitung, 29. April 2005)

Washington
US-Präsident Bush hat mit seiner Rede zur Lage der Nation im Januar 2003 eine regelrechte Wasserstofflawine in den USA losgetreten. So war es nur folgerichtig, dass er sich am 25. Mai auch einmal die in Washington angesiedelte Wasserstoff-Tankstelle von Shell Hydrogen und General Motors ansah. Es handelt sich um die einzige Station in Nordamerika, an der nebeneinander Benzin und Wasserstoff angeboten werden, ähnlich also wie an der CEP-Station in Berlin und an anderen Orten. Rick Scott von Shell Hydrogen führte den hohen Gast durch das Besucherzentrum und ließ ihn anschließend einige Fahrzeuge auftanken.
Gegenüber Medienvertretern wies Bush besonders darauf hin, dass Wasserstoff die Abhängigkeit der USA von importierten Energieträgern verringern könne. Sauber sei er übrigens auch noch. Es sei aufregend, bei dieser Revolution dabei zu sein, die das Land verändern werde. Zwar sei noch eine Menge Forschung und Entwicklung zu leisten, aber der Erfolg sei sicher. (Pressemitteilung des Weißen Hauses vom 25. Mai 2005)
Jeff Serfass, der Vorsitzende der National Hydrogen Association, äußerte sich naturgemäß sehr zufrieden über Bushs Besuch. „Die Hauptgründe für die Entwicklung der Wasserstofftechnologien sind, die Abhängigkeit von importierten Brennstoffen zu vermindern, die Umwelt zu verbessern und das Wirtschaftswachstum anzuregen. Ich freue mich, dass der Präsident die Investitionen und den Fortschritt der Industrie würdigt. Wasserstoff als Kraftstoff ist bezahlbarer geworden, und die Kosten für Wasserstoff gehen hinunter, wie auch die für Brennstoffzellen.“ (Pressemitteilung der NHA vom 25. Mai 2005)

Audi
Etwa 10 km muss man fahren, bis man eine frische lauwarme Maß Wasser erzeugt hat. Natürlich ist das nicht der einzige Zweck, zu dem man den neuen Audi A2 Hybrid mit Brennstoffzelle verwenden kann. Die Besonderheit des Fahrzeugs ist seine Auslegung als Hybrid: Der Elektromotor mit maximal 109 kW wird aus einer Brennstoffzelle mit elektrischer Energie versorgt. Diese wird in der Brennstoffzelle mit Hilfe von Wasserstoff erzeugt. Als zweite Energiequelle dient eine Batterie, die geladen wird, wenn das Fahrzeug bremst. Beim Beschleunigen werden beide Energiequellen gemeinsam genutzt, was eine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h und eine Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 11 s ermöglicht. Rechnet man den verbrauchten Wasserstoff in Dieselkraftstoff-Einheiten um, braucht der A2H2 weniger als 4 l Kraftstoff auf 100 km.
Der Audi A2H2 dient als Technologieträger für den Brennstoffzellenantrieb. Bei seiner Entwicklung wurden Mittel des Bayerischen Wirtschaftsministeriums und aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm des Bundes eingesetzt.
(Audi-Pressemitteilung vom 2. Mai 2005)

IKEA
Das schwedische Möbelhaus IKEA setzt jetzt für den Kundendienst in und um Berlin auch ein Wasserstoffauto ein. Am 3. Juni gab Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe grünes Licht für einen HydroGen3 von General Motors, der seine Energie aus flüssigem Wasserstoff bezieht. Das Fahrzeug gehört jetzt zu denen, die an der Tankstelle der CEP (Clean Energy Partnership) am Messegelände versorgt werden. Zwei IKEA-Mitarbeiter wurden geschult, um nicht nur geräuscharm und emissionsfrei bei Kunden vorzufahren, sondern auch Daten zu sammeln, die im Rahmen des Praxis-Tests ausgewertet werden. Minister Stolpe sagte beim Start: „IKEA zeigt als neuer ‚Kunde’ für das Brennstoffzellen-Auto des CEP-Partners Opel Mut und Pioniergeist. Die Erprobung neuer Technologien im Verkehr braucht den Einsatz engagierter Unternehmen. Diese Risikobereitschaft verdient Anerkennung. Aus Sicht der Verkehrspolitik ist sie beispielhaft.“
„Wir wollen die Gesellschaft von morgen ohne Emission von Treibhausgasen mobil halten“, sagte Hans H. Demant, der Vorstandsvorsitzende der Adam Opel AG. „General Motors und Opel haben bisher mehr als eine Milliarde Dollar in die Entwicklung der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie investiert.“ Der HydroGen3 stelle einerseits den erreichten hohen Entwicklungsstand unter Beweis, andererseits bedürfe es noch harter Arbeit, bis Brennstoffzellen-Fahrzeuge Gewinn bringend in großen Stückzahlen in Produktion gehen könnten.

Transalpin
Der Treibstoff Wasserstoff kommt, die dazu gehörende Infrastruktur auch, und jetzt sind schon viele Städte und Regionen aus den Startlöchern, um bloß nichts zu verpassen. Am 24. Mai fand in Bozen eine Pressekonferenz anlässlich der im Juni abgehaltenen Weltkonferenz zu Erdgasfahrzeugen statt. Dabei wurde mitgeteilt, dass die Region Südtirol zusammen mit Bayern, Tirol und dem Trentino eine Trasse für Gasautos von München über Bozen bis Mantua plant.
„Wir können uns das Erdöl nicht mehr leisten, zum einen, weil es teuer ist und zum anderen, weil es nicht umweltfreundlich ist – deshalb müssen wir nach Alternativen suchen“, sagte der Umwelt-Landesrat von Südtirol Michl Laimer. Die Chancen für das Projekt sieht er als gut an. Sowohl seitens der Brennerautobahn als auch von der bayerischen Landesregierung habe er Zusagen für Unterstützung. Die Strecke soll zunächst mit Erdgas-Tankstellen ausgestattet werden. Auf lange Sicht wird aber der Übergang zum Wasserstoff als unausweichlich angesehen: „Mittelfristig möchte das Land Südtirol jedoch in die Produktion und die Verteilung von umweltfreundlichem Wasserstoff einsteigen“, erklärte Laimer.

Wales
Mögen auch viele Engländer das etwas seltsame Land im Westen als hinterm Wald ansehen, so sind die Waliser doch bei den erneuerbaren Energien recht rührig und haben dabei zusammen mit den Schotten den Engländern einiges voraus. Einige Projekte wurden am 11. Juni auf einer Tagung der National Assembly Sustainable Energy Group vorgestellt.
So soll im Gebiet von Carmarthenshire vorbehaltlich staatlicher Förderungszusage eine „Hydrogen Farm“ entstehen, in der u. a. Wasserstoff aus Biomasse hergestellt und vor Ort verwendet werden soll. Auch die Vision einer walisischen Wasserstoffautobahn ist im Gespräch, weiterhin verschiedene Vorhaben wie der Betrieb eines Wasserstoffbusses sowie eines Brennstoffzellenbootes in der Hafenstadt Cardiff. Zwar sind die zuletzt genannten Vorhaben noch deutlich mehr Vision als konkreter Plan, doch herrschte auf dem NASEG Treffen doch ein Enthusiasmus vor, wie es ihn in der Vergangenheit nicht gab.
Zudem wird die University of Glamorgan in Pontypridd nahe Cardiff ab Herbst einen Aufbaustudiengang MSc Renewable Energy and Resource Management anbieten, zu dem Wasserstoff als wesentliches Unterrichtsthema gehören wird. Die „Hydrogen Research Unit“ dieser Universität ist schon lange in dem Bereich aktiv und hat bereits mehrere Strategiepapiere zur Umwandlung von Wales in eine Wasserstoffwirtschaft vorgelegt.

Bayernbus
Wasserstoffbusse verkehren im Moment im Freistaat nur auf dem Flughafen München. Das wird sich demnächst ändern. Als erster Wasserstoff-Bus im bayerischen Linienbetrieb verbindet der Regionalbus 699 des Herstellers MAN künftig Hallbergmoos und den Flughafen München. Das auf 15 Monate befristete Projekt wird von der Landesregierung im Rahmen ihrer erhöhten Zuweisung für den öffentlichen Personennahverkehr von 761 k€ unterstützt. Ziel ist, die Alltagstauglichkeit der als umweltfreundlich bekannten Antriebstechnologie zu überprüfen. Das Land hat seit der Gründung der „Wasserstoff-Initiative Bayern“ (wiba) 1996 rund 40 Projekte mit insgesamt 40 Millionen Euro gefördert.

Norwegen
Obwohl Norwegen ein Erdöl produzierendes Land ist, spielen auch die erneuerbaren Energien dort eine große Rolle. Dazu gehört eine energische Förderung von Wasserstoff und Brennstoffzellen, die kürzlich durch die Regierung noch verstärkt wurde. Torild Skogsholm, Minister für Verkehr und Kommunikation, gab am 20. Mai bekannt, man habe 50 Millionen Kronen (etwa 6,35 M€) für die Erprobung von alternativen Kraftstoffen und umweltfreundlichen Technologien bereit gestellt. Allein 3,8 M€ davon seien für ein von der Firma Hydro geführtes Projekt einer Wasserstoff-Autobahn von Oslo nach Stavanger reserviert. Skogsholm erklärte, sein Ministerium habe die Mittel für derartige Vorhaben sein 2001 verdreifacht. „Norwegen wird ein Vorreiter im Gebrauch solcher Technologien sein, und es macht viel Freude, so viele aufregende und fundierte Bewerbungen erhalten zu haben”. Bis 2008 soll man also von der Hauptstadt bis zu der Hafenstadt an der Westküste mit Wasserstoffautos fahren könnn, was den Bau entsprechender Tankstellen einschließt.

Zwischenbilanz
Wie viele Wasserstoffautos gibt es auf der Welt? Nach einer Erhebung des Branchendienstes Fuel Cell Today hat allein die Gesamtzahl der Brennstoffzellen-Autos global 500 überschritten und dürfte Ende 2005 über 600 liegen. Es dominiert die Kombination von PEM-Brennstoffzellen mit einem Hochdruck-Wasserstofftank, wobei die 700 bar-Speicherungen sich als Standard durchzusetzen scheinen.
Dazu kommen die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die durchweg mit flüssigem Wasserstoff im Tank fahren. Diese Linie wird von jeher am offensivsten von BMW verfolgt; man hört immer wieder, dass andere Hersteller daran arbeiten, weil sich sich davon eine frühere Markteinführung versprechen, aber reden tun sie nur wenig darüber.
(Pressemitteilung der H2-Expo vom 18. Juni 2005)

Kalifornien
Gouverneur Schwarzenegger schreibt am „Hydrogen Highway Plan“, der die Einzelheiten der Schaffung einer Infrastruktur für Wasserstoff als Kraftstoff enthalten soll. Mehr als 200 Wissenschaftler, Geschäftsleute und Umweltschützer sind seit einem Jahr daran beteiligt. Nach kürzlich bekannt gewordenen Éinzelheiten sind bis 2010 etwa 100 Tankstellen in den Regionen San Francisco, Sacramento, Los Angeles und San Diego. Each would cost about 1 M$. 54 M$ from the state budget are reserved for this purpose. This includes grants of 10 k$ per vehicle for the car manufacturers. In a second phase until 2015 the network will be extended to 250 stations. Alan Lloyd, secretary of the California Environmental Protection Agency, explained it in a very simple way: „The idea is that if you build it, they will come.“ California needs to move aggressively to help solve the chicken and the egg problem, in spite of all problems. But in order to move away from our addiction to petroleum it is necessary to start now.


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