Neues vom Wasserstoff
Sicherheitstagung
Erstmals fand vom 8. bis zum 10. September in Pisa eine internationale Fachkonferenz zur Sicherheit im Umgang mit Wasserstoff statt. Organisator war die Universität Pisa im Rahmen des Network of Excellence HySafe, eines Projekts im 6. Forschungs-Rahmenprogramm der EU. Mehr als 200 Teilnehmer aus 28 Ländern hatten sich angemeldet. Die Themen reichten von der großen Linie beim Aufbau der Infrastruktur bis hin zu wissenschaftlichen Spezialproblemen wie etwa der Veränderung der Zündgrenzen von Wasserstoff/Luft-Gemischen bei erhöhten Temperaturen. Auch verwandte Projekte in Europa und anderswo wurden präsentiert, so zum Beispiel aus der EU die Programme CUTE (Brennstoffzellen-Busse im Stadtverkehr), NATURALHY (Erdgas und Wasserstoff) und StorHy (Speicherung von Wasserstoff) und ähnliche Aktivitäten aus den USA und Japan. Die International Association for Hydrogen Energy (IAHE) und die International Partnership for a Hydrogen Economy (IPHE) unterstützten die Veranstaltung.

H2-Expo
Zum fünften Mal wurde am 31. August und 1. September in Hamburg die Wasserstoff-Expo abgehalten. Schon seit einer Weile verschiebt sich das Gewicht immer mehr von der reinen Messe zu einer Konferenz, bei der mehrere kleinere Tagungen unter speziellen Themenstellungen zusammen mit der Ausstellung unter einem gemeinsamen Dach abgehalten werden. „Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft. Es gilt, die Weichen schon heute richtig zu stellen. Die Entwicklung und Erprobung neuer Technologien braucht den Einsatz engagierter Unternehmen. Ihr Pioniergeist ist hier auf der Messe zu besichtigen.“ Das sagte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen Angelika Mertens in ihrem Grußwort anlässlich der Eröffnung.
In Hamburg gibt es jetzt nach dem Muster anderer Bundesländer eine direkt vom Senat unterstützte Landesinitiative unter dem Namen „HyCity“. Zu den Mitgliedern gehören Airbus, Deutsche BP, European Fuel Cell, Flughafen Hamburg, Germanischer Lloyd, GKSS Forschungszentrum Geesthacht, HDW, HEW, Hermes, Hochbahn, Linde Gas, Siemens, Still, TÜV Nord sowie die Wasserstoffgesellschaft. Die Geschäftsführung liegt bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Nach den Plänen von Umweltsenator Michael Freytag soll Hamburg in der Wasserstofftechnologie eine Spitzenstellung einnehmen, wie er bei der Eröffnung sagte. HyCity hatte einen der größten Stände auf der Messe. Eine Reihe von Forschungsinstituten waren ebenfalls auf der Messe vertreten. Die FH Lübeck ist der Kristallisationskeim der neuen Landesinitiative Schleswig-Holstein für Wasserstoff und Brennstoffzellen. Die TU Chemnitz stellte ein originelles tropfenförmiges Fahrzeug mit sagenhaft geringem Energieverbrauch vor. Das Gefährt mit dem Namen „Fortis Saxonia“ (Starke Sachsen) hatte am Shell Eco-Marathon teilgenommen und wäre rein rechnerisch mit der Energie aus einem Liter Benzin 665 km weit gekommen.

Stuttgart
Einen festen Platz im Veranstaltungskalender hat sich mittlerweile die f-cell erobert, die vom 26. bis 28. September wieder in Stuttgart stattfand. Über 600 internationale Teilnehmer, Referenten und Besucher der begleitenden Messe und Gäste der Sonderveranstaltungen machten sich ein Bild vom Stand der Forschung & Entwicklung der Brennstoffzelle und ihrer Anwendungen in Autos, in der Hausenergieversorgung sowie in portablen Geräten wie Handys oder Laptops. Tagung, Ausstellung, politische Prominenz und Rahmenprogramm passten gut zusammen und stellten Aussteller (darunter auch der DWV) und Besucher zufrieden. DaimlerChrysler und die Landesregierung von Baden-Württemberg unterstützten das Ereignis finanziell. Das gemeinsame Fazit am Ende lautete: „Wir brauchen eine stärkere Zusammenarbeit in der Branche und mehr politische Unterstützung für einen gemeinsamen 'Fahrplan' in die Zukunft.“ Professor Dr. Werner Tillmetz, Sprecher des Brennstoffzellenbündnis Deutschland, sagte: „Es ist an der Zeit, gemeinsam mit der Politik Markteinführungsprogramme für diese leisen und schadstofflosen Energiewandler zu entwickeln“. Noch sei die Technik zu teuer, um konkurrenzfähig zu sein. Die Hersteller arbeiteten jedoch daran, die Komplexität der Systeme zu reduzieren und kostengünstigere Materialien einzusetzen. „Letztlich kann aber erst eine Serienfertigung zu marktfähigen Preisen führen“, erklärte Tillmetz.

Daimler
Auf der Tokyo Motor Show zeigte DaimlerChrysler unter dem Namen F 600 HYGENIUS ein neues Konzeptfahrzeug mit Wasserstoff und Brennstoffzellen. „Unsere neue Brennstoffzelle ist 40 % kleiner als die bisherigen Systeme, zugleich aber deutlich effizienter und leistungsfähiger“, betonte Dr. Thomas Weber, im Vorstand von DaimlerChrysler verantwortlich für Forschung und Technologie sowie die Entwicklung von Mercedes-Benz. Obwohl es mit 85 kW und einem maximalen Drehmoment von 350 Nm rund 30 % mehr Leistung erzeugt, verbraucht das System 16 % weniger Energie – unter anderem dank der Fähigkeit des Elektromotors, beim Bremsen Antriebsenergie zurück zu gewinnen und in die Lithium-Ionen-Batterie einzuspeisen. Der Verbrauch entspricht dem Energie-Äquivalent von 2,9 l Diesel pro 100 km. „Auch in Sachen Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit und Reichweite ist unsere neue Brennstoffzelle konventionellen Antrieben ebenbürtig“, erklärte Weber weiter.
(DaimlerChrysler-Pressemitteilung vom 19. Oktober 2005)

Leuna
Die Linde AG errichtet am Chemiestandort Leuna in Sachsen-Anhalt Deutschlands zweite Wasserstoff-Verflüssigungsanlage. Das Projekt mit einem Investitionsvolumen von über 20 M€ wird bis Mitte 2007 in unmittelbarer Nähe der ebenfalls von Linde betriebenen Wasserstoff-Produktionsanlagen realisiert. Der Verflüssiger soll vor allem die Versorgung der industriellen Wasserstoff-Kunden sichern. Langfristig werde er darüber hinaus auch einen wesentlichen Baustein für das zukünftige Wasserstoff-Tankstellennetz in Europa bilden, das in den kommenden Jahren entstehen soll.
(Pressemitteilung vom 7. September 2005)

Gleichgewichtsfrage
Im September starteten Oldenburger Unternehmen und Forschungsinstitutionen das Projekt „HyWindBalance“. Ziel ist es, das Problem der schwankenden Leistungsabgabe von Windparks zu mindern, indem Wasserstoff als Energiespeicher eingesetzt wird. An dem Projekt ist die Overspeed GmbH & Co. KG, die PLANET GbR, das ForWind – Zentrum für Windenergieforschung der Universitäten Oldenburg und Hannover, die energy und meteo systems GmbH, die Projekt Ökovest GmbH und die Abteilung Energie- und Halbleiterforschung der Universität Oldenburg beteiligt.
Wasserstoff als Speichermedium bietet die Möglichkeit, elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen, die - wie Wind und Solarstrahlung - nicht konstant und nicht vollständig vorhersagbar zur Verfügung stehen, optimal in Versorgungsnetze einzubinden. Der Strom kann durch Elektrolyse chemisch gebunden werden. Die Rückwandlung erfolgt mit Brennstoffzellen. So können Schwankungen ausgeglichen und sogar Regelenergie aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung gestellt werden. Derzeit wird Regelenergie auf der Basis fossiler Energieträger, wie z.B. Kohle oder Erdgas, bereitgehalten. Wesentlicher Bestandteil des Forschungsprojektes HyWindBalance ist die Entwicklung eines solchen Systems. Eine Pilotanlage aus wird im Energielabor der Universität Oldenburg entstehen.
Das Projekt dauert bis Ende 2007 und hat einen finanziellen Umfang von rund 1,5 Mio. €. Davon tragen das Land Niedersachsen und die Europäische Union (Fonds für regionale Entwicklung) ca. 620.000 €. Die EWE AG unterstützt das Projekt sowohl finanziell als auch personell.
(Pressemitteilung vom 7. September 2005)

Bus
Zwei Wasserstoffbusse von MAN verkehren seit dem 31. August im Linienverkehr zwischen dem Flughafen München und dem nahe gelegenen Vorort Hallbergmoos. Einer besitzt einen Verbrennungsmotor, der andere einen Elektromotor und eine Brennstoffzelle. Vom Betrieb der Busse mit unterschiedlicher Technologie erwarte sich der Konzern Erkenntnisse über die Einsatzfähigkeit im täglichen Nahverkehr, sagte der Vorstandsvorsitzende von MAN Nutzfahrzeuge, Anton Weinmann. Bisher sind beide Technologien nach MAN-Angaben gegenüber Diesel-Bussen deutlich umweltverträglicher. Sie haben allerdings noch Nachteile bei der Standfestigkeit der Motoren und den Kosten. In etwa einem Jahr will MAN einen weiteren Wasserstoff-Verbrennungsmotor mit dann 200 statt bislang 150 kW Leistung vorstellen.
(Pressemitteilung vom 31. August 2005)

Halbleiter
Bei dem Wirbelsturm „Katrina“ ist auch ein bei New Orleans gelegenes Werk von Air Products in Mitleidenschaft gezogen worden, in dem Wasserstoff von besonderer Reinheit für die Produktion von Halbleiterelementen hergestellt wird, und liegt seitdem still. Zudem ist eine andere im Besitz von Air Products befindliche Produktionsstätte von flüssigem Wasserstoff in Kanada planmäßig abgeschaltet. Die Firma erklärte sich für derzeit außerstande, ihren Verpflichtungen zur Lieferung von flüssigem Wasserstoff nachzukommen. Andere Lieferanten von elektroniktauglichem Wasserstoff haben ihre Produktion gesteigert. Zusätzlich werden alternative Reinigungstechniken eingesetzt, mit denen Wasserstoffgas mit niedrigerer Qualität verwendet werden kann.


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