Neues vom Wasserstoff
Europakonferenz
Vom 22. bis zum 25. November fand die zweite Europäische Wasserstoffenergie-Konferenz EHEC) statt. Mehr als 500 Teilnehmer fanden den Weg nach Saragossa, der Hauptstadt der Region Aragón. Sie trafen auf eine Konferenzorganisation, die mit viel Begeisterung und Kompetenz sowohl für den Rahmen als auch für die Inhalte gesorgt hatte. Das Programm umfasste den Bogen von der Grundlagenforschung bis zur Finanzierung. Eine wichtige Rolle dabei spielte das immer näher kommende 7. Forschungs- und Entwicklungs-Rahmenprogramm der Europäischen Kommission. Es wurde nicht nur von hochrangigen Referenten aus Brüssel erläutert, sondern das Thema tauchte auch an anderen Stellen immer wieder auf. Daneben gab es natürlich Berichte über die Ergebnisse der Projekte im laufenden 6. Rahmenprogramm.
Wie 2003 in Grenoble war auch in Saragossa die politische Unterstützung deutlich, die das Thema genießt. Besonders die Region Aragón engagiert sich hier. Mit dem Erfolg der zweiten Auflage hat die EHEC einen bedeutenden Schritt gemacht, um die wichtigste europäische Veranstaltung ihrer Art zu werden. Wo die EHEC 2007 stattfinden wird, ist noch nicht endgültig entschieden, aber sie wird stattfinden. Auch der DWV wird sie über die European Hydrogen Association wieder unterstützen.

Nordatlantik
Im Norden Europas entsteht die North Atlantic Hydrogen Association (NAHA). Beteiligt sind Island, die Färöer-Inseln und Grönland (die beiden letzteren Gebiete gehören zu Dänemark, sind aber weitgehend autonom). Das Norwegische Wasserstoff-Forum unterstützt das Projekt. Die förmliche Gründung soll im August 2006 in Grönland stattfinden und mit einer Konferenz verbunden werden. Hauptzweck der geplanten transnationalen Organisation ist der Austausch von Information. Island spielt beim Übergang zum Energieträger Wasserstoff eine weltweit führende Rolle; die nordischen Nachbarn möchten sich gerne beteiligen und suchen nach eigenen geeigneten Betätigungsmöglichkeiten und Projektideen.

Hamburg
Am 22. November vereinbarten die Wasserstoff-Gesellschaft Hamburg und der Flughafen Hamburg eine Vereinbarung über ein gemeinsames Entwicklungsprojekt, das den Einsatz von Wasserstoff in Verbrennungsmotoren untersuchen wird. Dazu wird ein auf Wasserstoffbetrieb umgebauter Lieferwagen FIAT-Doblò mit Verbrennungsmotor im täglichen Kurzstrecken-Einsatz auf dem Flughafengelände getestet. Der Wasserstoff wird unter 20 Mpa gespeichert. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt wird wissenschaftlich begleitet werden. Im Mittelpunkt stehen hierbei im Wesentlichen die Messung von Luftschadstoffen und das Betriebsverhalten des Fahrzeuges. Bereits am 31. August wurde ein Kooperationsabkommen Hamburg-Mailand zur gemeinsamen Erarbeitung der Wasserstofftechnologie von dem Hamburger Umweltsenator Michael Freytag, seinem italienischen Pendant Prof. Giorgio Gozzi und dem Ersten Vorsitzenden der Wasserstoff-Gesellschaft Hamburg, Nikolaus Schues unterzeichnet.

New Orleans
Die Produktion von Flüssigwasserstoff für die Halbleiterproduktion (Reinstgas) sowie von Wasserstoffgas für die Petrochemie bei Air Products in New Orleans läuft wieder normal. Die Anlage hatte durch den Hurrikan "Katrina" Ende August erheblichen Schaden genommen, wie berichtet (s. Nr. 5/05 "Halbleiter"). Durch Einsatz aller Kräfte konnte schon nach kurzer Zeit zumindest ein Teil der Produktion wieder aufgenommen werden. Nachdem das Wasser abgepumpt war und es Mitte Oktober auch wieder Strom gab, wurden die Schäden vollständig behoben. Der Mangel an Wasserstoff bei den Kunden wurde so gering wie möglich gehalten.

Opel in Korea
Der Opel Zafira ist das erste Wasserstoffauto, das in Korea öffentlich verkehren durfte. Und das mit hochrangigen Passagieren an Bord: Der Wagen diente dazu, Führungspersonen aus Politik und Wirtschaft beim Gipfeltreffen der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) zu chauffieren, das am 17. November in Busan stattfand. General Motors äußerte, man könne in Korea eine Demonstrationsflotte aufbauen, wenn die politische und technische Umgebung es erlaube.
(Pressemitteilung von General Motors vom 17. November 2005)

Fahrräder
Die Gelsenkirchener Masterflex AG hat einen ersten Auftrag für ihre Brennstoffzellen-Fahrräder erhalten. Sie liefert eine Flotte an die nordrhein-westfälische Stadt Herten. Die Brennstoffzellenfahrräder werden unter anderem in das touristische Gesamtkonzept des Kreises Recklinghausen und der Ruhr-Touristik GmbH eingebunden. Die Wasserstoffversorgung und Serviceleistungen sind sichergestellt, da Flotten ab einer Größe von zehn Fahrrädern zunächst an kommunale und gewerbliche Anwender geliefert werden.
(Pressemitteilung vom 25. November 2005)

Indien
Die erste Wasserstoff-Tankstelle Indiens wurde am 9. Oktober feierlich eröffnet. Sie befindet sich in Faridabad, etwas nördlich von Neu-Delhi. Es werden sowohl reiner gasförmiger Wasserstoff als auch Mischungen mit Erdgas abgegeben. Durch das Gemisch sinken die Stickoxid-Emissionen von Erdgasfahrzeugen.
Am 28. November rief Shri Vilas Muttemwar, Minister für nicht-konventionelle Energiequellen, in Kalkutta alle interessierten Parteien zur Mitwirkung an der Erstellung einer National Hydrogen Energy Road Map auf. Läuft alles nach Plan, könnten 2020 schon mehr als eine Million Wasserstoff-Fahrzeuge auf den Straßen des Subkontinents unterwegs sein. Schwerpunkte der Road Map sind die Wasserstoffherstellung mittels Dampfreformierung von Methan, Kohlevergasung, Kernenergie, Biomasse sowie biologische und andere nachhaltige Methoden. Zu den untersuchten Verfahren gehören Speicherung, Transport, Verteilung, Anwendung, Sicherheit, Normen und Vorschriften sowie Öffentlichkeitsarbeit.
(Pressemitteilung des Ministeriums vom 21. November 2005)

Bodensee
Das Unternehmen Zebotec hat in Zusammenarbeit mit dem Konstanzer Bootsmietverleiher Fluck auf dem Bodensee das erste Elektro-Mietboot mit einer Brennstoffzelle als Hauptantrieb erfolgreich getestet. Der Prototyp kann mit seinen bis zu 800 W vier Erwachsene zwei Stunden lang über den See schippern. Im kommenden Jahr kommt ein weiteres Boot mit einem leistungsstärkeren Brennstoffzellensystem und einem größeren Tank. Eine Füllung reicht dann für einen oder mehrere Tage. Vorläufig wird das Boot direkt beim Bootsverleiher aus Druckflaschen betankt. Langfristig sollen solche Boote die Möglichkeit haben, an strategisch günstig gelegenen Wasserstoff-Tankstellen zu tanken. Das Unternehmen Zebotec, das mit der Schweizer AccaGen im Elektrolyseurbereich tätig ist, verfügt über das erforderliche Know-how und entwickelt bereits Pläne für eine entsprechende Wasserstoff-Infrastruktur in der Bodenseeregion.
(Zebotec-Pressemitteilung vom 8. Dezember 2005)


|