Neues vom Wasserstoff
Innovationspreis
Den DWV-Innovationspreis Wasserstoff und Brennstoffzelle erhalten dieses Jahr bei den Dissertationen Dr. Andreas Schmitz, derzeit Löwen (Belgien) und bei den Diplomarbeiten Frau Julika Bleil aus Hamburg.
Herr Schmitz hat an der TU Berlin ein neuartiges Konzept einer miniaturisierten, mit Wasserstoff betriebenen PEM-Brennstoffzelle entwickelt. Daneben wurde ein Simulationsmodell entwickelt, um mittels experimenteller Charakterisierungen den Gültigkeitsbereich verifizieren können.
Frau Bleil hat ihre Arbeit „Neue Energiesysteme für zukünftige Flugzeuge“ bei Airbus in Hamburg angefertigt. Gegenstand ist die Integration einer Brennstoffzelle in das Energiesystem eines Passagierflugzeugs.

Berlin zwo
Am 14. März eröffnete das Projekt CEP Berlin eine weitere Wasserstoff-Tankstelle an der Heerstraße im Berliner Bezirk Spandau. Die Clean Energy Partnership (CEP) ist ein Zusammenschluss der Unternehmen Aral, BMW, Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), DaimlerChrysler, Ford, GM/Opel, Hydro, Linde, TOTAL und Vattenfall Europe. Bundesverkehrsminister Tiefensee nahm die Eröffnung zusammen mit seinem französischen Kollegen Dominique Preben vor. Dessen Interesse an der Tankstelle hat damit zu tun, dass sie sich auf einer konventionellen Station des französischen TOTAL-Konzerns befindet, der der CEP kürzlich beigetreten ist.
Die Anlage bildet eine Basis für den emissionsfreien Personennahverkehr in Berlin. Im Rahmen des europäischen Wasserstoffprojekts HyFLEET:CUTE wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) eine Flotte von voraussichtlich 14 Wasserstoff-Bussen betreiben.
Beliefert wird die Tankstelle mit flüssigem Wasserstoff von der Linde AG, die auch die Tanktechnik entwickelt hat. Der Wasserstoff kann an den Zapfsäulen flüssig und gasförmig getankt werden. Das Gas wird auf 415 bar komprimiert, um die Fahrzeuge mit 350 bar betanken zu können.
Tiefensee betonte in seiner Ansprache, dass Wasserstoff und Brennstoffzellen Schlüsseltechnologien für die Arbeitsplätze und die Exporte von morgen sind. Mehr als je zuvor müsse die Verkehrspolitik über den Tag hinaus sehen. Die Politik müsse etwas gegen die Zersplitterung der Zuständigkeiten tun und den Marktdurchbruch organisieren. Er kündigte an, dass die Bundesregierung die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie in Deutschland mit einem neuen Nationalen Wasserstoff und Brennstoffzellen-Innovationsprogramm fördern werde. Zusätzliche Fördermittel von 500 M€ sollen für die kommenden 10 Jahre bereitgestellt werden. (Siehe dazu auch die Meldung „Bundesprogramm“.)

Hannover
Zum 12. Mal fand im Rahmen der Hannover Messe der Gemeinschaftsstand „Wasserstoff und Brennstoffzellen“ statt. Die allgemeine Stimmung war wie auf der übrigen Messe, also sehr positiv. Der Gemeinschaftsstand „Wasserstoff und Brennstoffzellen“, scheint seit einigen Jahren bei etwa 1300 m2 verkaufter Standfläche ein stabiles Niveau gefunden zu haben. Aber rund herum findet man heute andere Präsentationen zum gleichen Thema. All das spricht deutlich für die steigende Attraktivität des Themas. Diesmal war sogar das ferne Samoa vertreten. Dies ist eines der Länder, in denen man durch die globale Erwärmung am meisten zu verlieren hat.
Der Stand war auch in diesem Jahr wieder ein Treffpunkt von Politikern jedweder Couleur und anderen wichtigen Gästen. An der Spitze ist Bundeskanzlerin Merkel zu erwähnen, die sich etwas über Brennstoffzellen-Heizungen erklären ließ. Viel Zeit nahm sich Verkehrsminister Tiefensee, der sich bei einer ganzen Reihe von Firmen die Lage und die Aussichten erklären ließ. Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos war anwesend.
Bei den Exponaten waren dieses Jahr erstmals seit einigen Jahren wieder Autos zu sehen: Honda zeigte einen Prototypen, der auch bei Frost läuft. Fahren konnte man mit dem Midi-Bus von Hydrogenics. Zu bereits im Handel befindlichen Produkten gehören Kleingeneratoren wie etwa die der britischen Firme Voller. Die amerikanisch-israelische Firma Medis bietet zwar noch keinen Akkuersatz für das Mobiltelefon an, aber ein Ladegerät. Das Einweg-Gerät soll ab Ende dieses Jahres für etwa 25 € in den USA auf den Markt kommen.

Hamburg
Umweltsenator Freytag und das Unternehmen Alstertouristik stellten am 25. Februar das „Zemship“ (Zero Emission Ship) vor. Im Sommer 2007 soll es auf der Alster fahren: 25 m lang, 5 m breit, Platz für 100 Passagiere. Die Kosten betragen 5 M€, wovon die Hälfte im EU-Fördermittelprogramm „Life“ beantragt wird. Allein 3 M€ kosten die Brennstoffzellen, die etwa 100 kW erzeugen. Die Laufzeit des Pilotprojektes ist zunächst auf den 31. August 2009 begrenzt.

Von der Alster an den Ganges
Um die wirtschaftliche Zusammenarbeit Hamburgs mit Indien zu verstärken, unternahm Umweltsenator Michael Freytag Ende März mit einer Wirtschaftsdelegation eine Reise nach Madras, Bombay und Neu-Delhi. Unter anderem wollte er dort Zusammenarbeit auf dem Gebiet Wasserstoff und Brennstoffzellen anbieten, vor allem im Straßenverkehr. „Aufgrund der stark verunreinigten Luft in den Großstädten hat Indien ein großes Interesse an alternativen Antriebssystemen“, sagte er und verwies auf die Erfahrungen der Hansestadt mit sauberen Bussen. Und auch Airbus verfügt über entsprechendes Know-how.
(Die Welt, 26. März 2006)

Linde und BOC
Die Linde AG hat sich mit dem britischen Industriegasehersteller BOC über eine Übernahme geeinigt. Für Linde entstehen Kosten in Höhe von etwa 12,4 G€. Mit dem Erwerb von BOC steigt Linde zum weltweiten Branchenprimus bei Industriegasen auf. Linde-Chef Wolfgang Reitzle sagte, es handle sich bei dem Zukauf um eine „historische Transaktion“, die vom Wachstumsgedanken getrieben sei. Beide Unternehmen passten „perfekt zusammen“, weil sich ihr Produktsortiment und die geografischen Schwerpunkte ergänzten. Es gebe nur wenige Überlappungen.

Infrastruktur
Ein Konsortium aus insgesamt 16 Unternehmen, kommunalen Einrichtungen und Forschungsinstituten aus vier EU-Ländern will im Projekt Zero Regio bis 2009 im Rhein-Main-Gebiet und in der italienischen Lombardei die Wasserstoff-Infrastruktur demonstrieren. Dazu gehören Einrichtungen zur Wasserstoffproduktion ebenso wie Leitungen und Tankstellen, die mit Wasserstofffahrzeugen umfangreichen Tests unterzogen werden sollen. Die beteiligten Unternehmen, darunter Agip, Daimler-Chrysler, Linde und die italienischen Unternehmen Eni (Energie), Sapio (Gase) und CRF (Fiat-Forschungszentrum), investieren zusammen 13,5 M€. Die EU steuert 7,5 M€ an Fördermitteln bei. Infraserv Höchst will im Frühjahr mit dem Bau einer ca. 1,7 km langen Wasserstoff-Transportleitung beginnen. Sie soll den Wasserstoff vom Industriepark Höchst bis zur geplanten Wasserstoff-Tankstelle von Agip am Rand des Industrieparks transportieren.

Eisenbahn
Der japanische Bahnkonzern JR East arbeitet an der Entwicklung des nach eigenen Angaben weltweit ersten Zuges mit Brennstoffzellen-Antrieb. Eine erste Testversion soll im Juli fertig gestellt werden. Mitte kommenden Jahres würden die Züge dann auf regulären Strecken eingesetzt. Den Strom wird größtenteils ein Diesel-Generator liefern, etwa ein Drittel sollen zwei Wasserstoff-Brennstoffzellen beisteuern. Die neue Bahn wird 20 % weniger Energie verbrauchen als herkömmliche Züge. Außerdem ist sie leiser. Außerdem benötigen solche Hybrid-Züge keine hässlichen Oberleitungen mehr.
(dpa, 12. April 2006)

Nordatlantik
Die formelle Gründung der North Atlantic Hydrogen Association (NAHA) soll am 8. August 2006 in der grönländischen Hauptstadt Nuuk stattfinden (s. Nr. 6/05 „Nordatlantik“). Für den 9. August ist eine Tagung vorgesehen, bei der die verschiedenen Potentiale und Initiativen vorgestellt werden sollen. Der NAHA werden Mitglieder aus Island, Norwegen, Grönland und den Färöer-Inseln angehören.


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