Neues vom Wasserstoff
Europäische Busse
Zwei Jahre lang waren 27 Mercedes-Benz Brennstoffzellen-Citaro in neun europäischen Städten im täglichen Nahverkehr unterwegs. Am 10. und 11. Mai präsentierten die 26 Projektpartner die Ergebnisse in Hamburg. „CUTE hat deutlich gemacht, dass die Frage nicht mehr lauten muss, ob und wie die neue Technologie funktioniert, sondern wann sie wettbewerbsfähig sein kann“, betonte Alfonso González Finat, für Energie und Verkehr zuständiger Direktor der Europäischen Kommission. „CUTE war das wichtigste Projekt dieser Art weltweit. Die Partner erhielten europäische Fördergelder von insgesamt 18,5 M€“. Der Gesamtumfang betrug 78 M€.
Die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, die die Busse europaweit erfuhren, freute die Projekt-Partner. Sie beschwerten sich allenfalls darüber, dass nicht mehr dieser schönen Busse im Einsatz waren. Es wurden sogar Passagiere beobachtet, die an den Haltestellen der betreffenden Linien einen Bus nach dem anderen einfach durchfahren ließen — bis ein Fahrzeug mit Brennstoffzelle kam.
Mit der Funktion der Tankstellen steht es im Prinzip gut, aber auch hier gibt es noch Arbeit. „So dauerte zum Beispiel die Betankung zu lange, und die Anlagen in vielen Städten erwiesen sich als nicht bedienerfreundlich genug“, berichtete Oliver Weinmann von Vattenfall Europe. Für weitere Projekte möchten die Anbieter der Anlagen den Support vor Ort erhöhen.

Berliner Busse
Die Europäische Kommission hat aus den Resten von CUTE und einigen neuen Initiativen mehrere neue Projekte gestrickt. Neu ist eine Flotte von 14 MAN-Bussen mit Verbrennungsmotor, die in Berlin verkehren soll. Zwei der Busse wurden am 1. Juni bei einer öffentlichen Veranstaltung an die Berliner Verkehrs-Betriebe übergeben. Die übrigen sollen bis zum Sommer 2007 folgen. Die beiden ersten Busse standen während der Fußball-Weltmeisterschaft für den Transport von Journalisten und andere Aufgaben zur Verfügung. Sie waren auch entsprechend dekoriert. Die Kraftstoffversorgung erfolgt an der Tankstelle, die im März nicht weit vom Olympiastadion in Betrieb genommen worden war (s. „Berlin zwo“ in Nr. 2/06). Weil diese Tankstelle von TOTAL errichtet worden war, kalauerte Verkehrs-Staatssekretär Hennerkes auch gleich, er finde diese Entwicklung „TOTAL gut“. Weiter führte er aus, die Bundesregierung wolle möglichst schnell konkrete Betriebsergebnisse in den Händen halten, auch hinsichtlich der Infrastruktur, damit über die weitere Entwicklung entschieden werden könne.

München
Seit 1998 versorgt die Wasserstoff-Tankstelle am Münchner Flughafen Vorfeldbusse, Linienbusse und PKW mit gasförmigem und flüssigem Wasserstoff. Spätestens Anfang nächsten Jahres seien die Mittel für das Projekt aufgebraucht, teilte ein Vertreter des bayerischen Wirtschaftsministeriums mit. Die Möglichkeiten der Anlage seien ohnehin ausgereizt. Das Geld stammte aus dem Topf High-Tech-Offensive-Bayern, also vor allem von Privatisierungserlösen. Weil diese verbraucht sind, kann das Land künftig nur noch einzelne Industrie-Projekte fördern, die aus dem laufenden Haushalt unterstützt werden sollen. Die Verhandlungen, welcher Betrag aus dem Haushalt beigesteuert werden kann, laufen derzeit. (Süddeutsche Zeitung, 26. Mai 2006)
Der Automobilhersteller BMW und das Mineralölunternehmen TOTAL unterzeichneten Ende Mai eine Vereinbarung, der zufolge TOTAL bis Ende 2007 drei Wasserstofftankstellen in Europa aufbauen und betreiben wird und damit den Einsatz von Wasserstoff-Fahrzeugen von BMW unterstützt. Noch in diesem Jahr wird TOTAL in München unweit vom BMW Forschungs- und Innovationszentrum eine öffentliche Tankstelle mit Wasserstoffzapfsäulen eröffnen. (Fuel Cell Works, 31. Mai 2006)
Linde betreibt bereits in Lohhof (Unterschleißheim bei München) eine weitere Tankstelle für Wasserstoff. Sie sei als „Show-Room“ gedacht, um die gefahrlose und einfach zu handhabende Befüllung von Fahrzeugen demonstrieren zu können, sagt Projektleiter Joachim Wolf. Auch diese Anlage ist öffentlich zugänglich. (Süddeutsche Zeitung, 31. Mai 2006)

Weltkonferenz
Die Wasserstoffspezialisten der Welt wurden vom 13. bis 16. Juni zur World Hydrogen Energy Conference (WHEC) nach Lyon eingeladen. Janez Potocnik, EU-Kommissar für Wissenschaft und Forschung, verwies auf den Erfolg der Technologieplattform Wasserstoff und Brennstoffzellen und kündigte weitere Unterstützung aus Brüssel an (siehe die Meldung „EU“). Der EHA-Vorsitzende Lars Sjunnesson wies in seinem Eröffnungsreferat darauf hin, dass 300 Vorträge und eben so viele Poster angemeldet seien.
Ein Land, das umweltfreundliche Verkehrslösungen bitter nötig hat, ist China. Prof. Gang Wan, Rektor der Tongji-Universität, legte die chinesischen Aktivitäten und Pläne dar. Für die Olympischen Spiele 2008 in Peking und die Weltausstellung 2010 in Schanghai seien ehrgeizige Demonstrationsprojekte geplant. In Schanghai sollen 1000 Taxis oder Busse fahren, die an 15 bis 20 Tankstellen versorgt werden.
Renault arbeitet an der Reformierung von Treibstoffen aller Art an Bord des Fahrzeugs. Auf der WHEC wurden ein Multi-Fuel-Reformer und eine Brennstoffzelle mit Technologie von 3M gezeigt. Die Air-Liquide-Tochter Axane zeigte auf ihrem Stand einen kleinen Brennstoffzellen-Generator auf Basis von Wasserstoff. Ebenfalls vertreten waren Unternehmen aus der Peripherie des Gebiets, so etwa Tank- oder Ventilbauer.

Algerien
Vor einem Jahr wurde mit Unterstützung der Regierung der algerische Wasserstoff-Verband gegründet. In Algerien macht man sich wie in anderen Ländern in ähnlicher Lage Gedanken über den Tag nach dem Gas oder dem Öl. Sonne gibt es reichlich, und daher gehen die meisten Projektüberlegungen des Verbandes in die Richtung der Umsetzung von Sonnenenergie in Wasserstoff oder der Verwendung von Wasserstoff bei der solaren Stromerzeugung.

Studiengang
Ab dem Wintersemester bietet die Dresden International University einen Masterstudiengang Wasserstofftechnik an. Das berufsbegleitende Studium dauert zwei Jahre. Es ist in neun Module aufgeteilt, die von den wissenschaftlichen Grundlagen über die verschiedenen Anwendungen bis zu den nationalen und internationalen Aktivitäten das ganze Gebiet abdecken. 29 Dozenten betreuen die Teilnehmer. Anmeldungen sind ab dem 15. Juli möglich.

Tankstelle China
Der britische Gasehersteller BOC, Shell Hydrogen und die Tongji-Universität werden in Schanghai die erste Wasserstoff-Tankstelle Chinas errichten. Sie soll ab Ende 2006 für bis zu 20 Autos und drei Busse sorgen können.
(Fuel Cell Works, 11.Mai 2006)


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