Neues vom Wasserstoff
3. Oktober
Bei der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit, die dieses Jahr in Kiel stattfand, war der DWV im „Wissensland“ vertreten. Im Ausstellungsbereich „Neue Energien“ präsentierte er sich zusammen mit eon hanse, der FH Lübeck und dem Flughafen Husum sowie der FH Stralsund. Die letztere zeigte eine lehrmittelhaft aufgebaute 12-V-Stromversorgung mit Metallhydrid-Speicher und einer 40 W leistenden PEM-Brennstoffzelle, die zum Betrieb eines Radios und einer Ladestation diente. Kunde der Ladestation war ein mit Supercaps ausgestatteter ferngesteuerter Spielzeuglaster, der sich als Magnet für die überübernächste Ingenieurgeneration erwies.

BMW
Als weltweit erster Automobilhersteller präsentiert BMW ein mit Wasserstoff angetriebenes Fahrzeug, das den Serienentwicklungsprozess durchlaufen hat. Im BMW Hydrogen 7 wird das zukunftsweisende Konzept einer nachhaltigen Mobilität bereits heute für den Alltagsbetrieb nutzbar gemacht. Die Limousine der 7er Reihe wird von einem 191 kW starken Zwölfzylinder-Motor angetrieben und beschleunigt in 9,5 s von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit wird elektronisch auf 230 km/h limitiert. Solange eine flächendeckende Wasserstoffversorgung nicht gewährleistet ist, kann der bivalent ausgelegte Motor des BMW Hydrogen 7 durch einfaches Umschalten der Betriebsart auch auf herkömmliches Superbenzin zurückgreifen. Seine Weltpremiere feiert der neue Wagen Ende November auf der Autoshow in Los Angeles.

Plattform
Zum dritten Mal traf sich in Brüssel am 5. und 6. Oktober die Europäische Technologieplattform für Wasserstoff und Brennstoffzellen. Dabei wurden die Ergebnisse der Arbeiten von über 100 Experten in Form eines ehrgeizigen und überzeugenden Implementation Plan präsentiert, der für den Zeitraum von 2007 bis 2015 die Grundlage für ein europäisches Forschungs- und Entwicklungs-Programm für Wasserstoff und Brennstoffzellen bilden soll. Der Implementation Plan ist ein Umsetzungsplan, der vorausgehende strategische Papiere zusammenfasst und Vorschläge für konkrete, realisierbare sowie messbare Maßnahmen im Bereich von Forschung, Technologieentwicklung und geplantem finanziellen Bedarf umfasst. Beispiele für Innovation und Entwicklungsaktivitäten sind im Bericht aufgeführt. Die Unterstützung der Industrie im Rahmen der Erklärung könnte zu einem Investitionsvolumen von mehr als 5 G€ über die nächsten 10 Jahren führen. Die Partner gehen davon aus, dass die Höhe der Investitionen von Seiten der Industrie über das Jahr 2016 hinausgehen und ansteigen werden. In Abhängigkeit von den gegenwärtigen Verhandlungen und dem erwarteten Gesamtanstieg des Forschungsbudgets wird die Europäische Kommission die Fördersumme aus dem 6. Rahmenprogramm in Höhe von 75 M€ im Jahr deutlich anheben.
Im Implementation Plan wird das Gesamtbudget aus öffentlichen und privaten Quellen für das vorgeschlagene Programm und den Zeitraum von 2007 bis 2015 auf 6,7 G€ veranschlagt, was auf dem Umfang der laufenden öffentlichen Finanzierung und privaten Investitionen für Wasserstoff und Brennstoffzellen-Technologien beruht. Dabei werden die Ausgaben der gegenwärtigen Mitgliedstaaten (200 M€ pro Jahr), neue zusätzliche Programme (z. B. Deutschland 50 M€ pro Jahr) und viele regionale Initiativen (z. B. Amsterdam, Aragon, Berlin, Lombardei, London, Nordrhein-Westfalen, Teeside und andere) miteinbezogen.
Aber der Plan kann nur umgesetzt werden, wenn auch die JTI kommt — die Joint Technological Initiative zum Thema. Es sollen für sechs Themengebiete solche Initiativen gegründet werden, die einerseits ein wichtiges Wort bei der Mittelvergabe spielen und andererseits auch die Organe der Gemeinschaft bei der Formulierung der weiteren Forschungspolitik beraten sollen. Eine JTI soll eine Rechtsperson werden und auch über das Ende des 7. Rahmenprogramms hinaus fortbestehen. Die Entscheidung des Parlaments und des Rates über das gesamte Rahmenprogramm, einschließlich der JTI, wird für Ende November erwartet.

Boddenbus
Am 4. September wurden in Barth (Nordvorpommern) die Vorbereitungen für das dortige Wasserstoff-Sauerstoff-Projekt mit der Übergabe eines Midi-Hybrid-Busses (40 kW PEM-BZ, 40 kW Batterie) durch den Hersteller (Proton Motor GmbH, Starnberg) vollendet. Der Wasserstoff stammt von einem Elektrolyseur, dessen Sauerstoff von der städtischen Kläranlage verwendet wird. Der Bus ist der erste Kunde der dort entstandenen Wasserstofftankstelle. Er wird im Gebiet des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft im Nahverkehr für touristische Zwecke eingesetzt werden. Jetzt befindet er sich erst einmal in seiner Betriebserprobung.

Nordatlantik
Ein transnationaler Nordatlantischer Wasserstoff-Verband (NAHA) wurde im August in der grönländischen Hauptstadt Nuuk gegründet. Die Gründungsmitglieder aus Island, Grönland und den Färöer-Inseln wollen bei der Förderung des Gebiets auf vielfältigen bereits bestehenden Kooperationen aufbauen. Die Gründung der NAHA erfolgte mit starker Unterstützung aus Norwegen. Weitere Teilnehmer am Gründungstreffen kamen aus Dänemark, von den schottischen Orkney- und Shetland-Inseln sowie Nunavut (Kanada). Letzteres umfasst einen großen Teil der kanadischen Arktis.

Verflüssigt
Flüssiger Wasserstoff hat viele Vorteile, aber es kostet viel Energie, bis man das Gas erst einmal verflüssigt hat. Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Kälte- und Kryotechnik der TU Dresden haben es geschafft, den Energieaufwand, der für die Verflüssigung benötigt wird, um mehr als die Hälfte zu reduzieren. Entscheidender Faktor ist dabei der Einsatz eines Helium-Neon-Gemisches als Kältemittel.
Und wenn man nur kleine Mengen der tiefkalten Flüssigkeit braucht, aber die öfter? Gegenwärtig gibt es in ganz Mitteleuropa nur drei große Verflüssiger: je einen in Frankreich, in den Niederlanden und bei Ingolstadt in Deutschland. Ein Bezug einzelner Tankfüllungen, wie sie etwa für Versuchsfahrzeuge oder Entwicklungsarbeiten gebraucht werden, ist daher oftmals mit Schwierigkeiten verbunden. Die Dresdner haben einen mobilen Wasserstoff-Verflüssiger entwickelt, der die flexible Belieferung von Wasserstoff-Versuchsfahrzeugen sowie von Forschungseinrichtungen, die Projekte in diesem Bereich durchführen, ermöglicht.
(Pressemitteilung vom 29. August 2006)

Linde
Die offizielle Einweihung des Linde Hydrogen Centers in München-Unterschleißheim am 9. Oktober 2006 Im Beisein von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee markiert nach Firmenangaben den Beginn einer neuen Ära sowohl für die Linde AG als auch für die gesamte Automobil- und Energieindustrie. Fast alle existierenden Flüssigwasserstofftankstellen weltweit funktionieren mit Linde-Technik. „Dennoch ist das Linde Hydrogen Center nicht einfach eine weitere Tankstelle, sondern etwas ganz Besonderes“, betonte Firmenchef Wolfgang Reitzle. „Wir wollen damit einen sichtbaren und erlebbaren Fortschritt beim Aufbau der Wasserstoff-Infrastruktur ermöglichen. Gleichzeitig bemühen wir uns um politische Unterstützung für die Wasserstoffwirtschaft, bekennen uns zu unserem Engagement für eine nachhaltige Wasserstoff-Erzeugung und sehen uns in einer Koalition der Verantwortung mit wichtigen Partnerunternehmen“.
Das Zentrum versorgt eine Testflotte von wasserstoffgetriebenen PKWs und Bussen sowohl mit flüssigem Wasserstoff (LH2) als auch mit komprimiertem, gasförmigem Wasserstoff (CGH2). Auch als Konferenzort und Präsentationsplattform sowie als Lern- und Trainingsanlage für Ingenieure und Kunden oder als Testanlage für die jüngsten Innovationen im Bereich der Wasserstofftechnologie ist es geeignet.
(Linde-Pressemitteilung vom 9. Oktober 2006)

Zum Riechen
Im Rahmen einer Initiative von Toyota haben sich Linde und die Firma Symrise mit der Aufgabe beschäftigt, Wasserstoff zu odorieren (mit riechbaren Zusatzstoffen zu versetzen), um so die Sicherheit bei dessen Anwendung noch weiter zu erhöhen. Dabei durfte das Präparat weder Schwefel noch Stickstoff enthalten. Auch andere Katalysatorgifte mussten vermieden werden. Außerdem musste die Verträglichkeit mit Brennstoffzellen sowie die Stabilität im Wasserstoff auch unter hohem Druck gewährleistet sein. Weiterhin durfte das Präparat nicht korrosiv oder versprödend wirken und musste sicher und stabil sein.
Als Ergebnis von wurde ein Zusatzstoff präsentiert, der nach Angaben der Entwickler nahezu keine Schädigung an Brennstoffzellen verursacht. Er besitzt auch unter hohem Druck eine ausgezeichnete Stabilität zwischen -30 und +80 °C und lässt sich leicht handhaben.

Positionspapier
Wie geht es weiter mit der Schaffung einer Infrastruktur für Wasserstoffautos in Europa? BMW, DaimlerChrysler, Ford, General Motors, MAN Nutzfahrzeuge, Shell, Total und Volkswagen haben dazu ein gemeinsames Positionspapier vorgelegt. Sie sehen die weitere Entwicklung in drei Phasen ablaufen:
- Bis 2010: Technologieentwicklung und Kostensenkung;
- Bis 2015: vorkommerzielle Verfeinerung der Technik sowie Marktvorbereitung;
- Ab 2015: Kommerzialisierung.
Je nach den örtlichen Gegebenheiten können manche dieser Phasen auch schneller ablaufen. PKW sollten zunächst in einer ausgewählten Pilotregion, Busse in einigen geeigneten Städten in den Verkehr gebracht werden. Als Pilotregion für PKW und Busse wird Berlin vorgeschlagen, für Busse allein kämen Hamburg, Brüssel/Rotterdam, Madrid/Barcelona, Südtirol, London oder Nordrhein-Westfalen in Frage.


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