Neues vom Wasserstoff
Kongress
Der 4. Deutsche Wasserstoff-Congress fand am 20. und 21. Februar in Essen statt. Der erste Tag war Übersichtsvorträgen aus Politik, Wirtschaft, Technik und Wissenschaft gewidmet. Außer den Fachleuten wurden auch politische Entscheidungsträger, Versicherungen und Finanzfachleute angesprochen. Gleichzeitig bot ein Fortbildungs- und Informationstag mehr als 100 Schülern, Studenten und Lehrern die Möglichkeit, sich über die zukünftigen Technologien, Qualifizierungsmöglichkeiten, Berufsbilder und Bildungsangebote zu informieren. In einem Schülerquiz zu Wasserstoff und Brennstoffzellen konnten die Schüler Ihr Wissen unter Beweis stellen.
Am zweiten Kongresstag wurde über den Stand von Forschung, Entwicklung und Demonstration bei der Herstellung, Verteilung und Speicherung von Wasserstoff sowie über den Einsatz von Brennstoffzellen in verschiedenen Anwendungsgebieten berichtet.

Pressekonferenz
Am 26. Februar hatte der DWV zu seiner Jahrespressekonferenz eingeladen, um einen Überblick über das vergangene Jahr und eine Ausblick in die unmittelbare Zukunft zu geben. Der Verband hatte auch dieses Mal wieder einen umfassenden Bericht über das abgelaufene Jahr vorbereitet.
Über den Stand der Schaffung der Joint Technology Initiative in Brüssel berichtete André Martin, der dort für den JTI-Industrieverband New Energy World tätig ist. Am Tag zuvor hatte es vom Europäischen Rat grünes Licht dafür gegeben (siehe die Meldung „Europa“). Gibt es bei der Herstellung und Verwendung von Wasserstoff denn nicht auch Verluste? Und wenn ja, hat Wasserstoff dann bezüglich des Wirkungsgrades noch einen Sinn? Diese Frage wurde von DWV-Vorstandsmitglied Reinhold Wurster beantwortet.
Der Jahresbericht und auch die übrigen Materialien der Pressekonferenz liegen zum Download bereit (Pressemitteilung 2/08 des DWV vom 26. Februar 2008). Es ist geplant, die Veranstaltung auch im nächsten Jahr wieder um diese Zeit abzuhalten.

Island
Im April wird eine Brennstoffzellen-Hilfsanlage an Bord des isländischen Walbeobachtungsschiffes „Elding“ („Blitz“) in Betrieb genommen werden. Es handelt sich nach Angaben von Icelandic New Energy um die erste derartige Anlage an Bord eines gewerblich genutzten Schiffs. Wenn die Mannschaft auf See Wale sichtet, sollen die Dieselmaschinen abgeschaltet werden, damit die zahlenden Gäste die Geräusche der Tiere hören können. In dieser Phase wird das Schiff dann von der Brennstoffzelle mit Energie versorgt.
Auf den Straßen der nordatlantischen Insel laufen derzeit elf Wasserstoffautos verschiedener Bauart. Bei Icelandic New Energy sieht man optimistisch in die Zukunft. Geschäftsführer Jon Björn Skulason erwartet bis zum Jahresende bis zu 20 Wasserstoffautos auf den Straßen, und in zweieinhalb Jahren das Doppelte. 2030 oder 2035 könnte die Mehrzahl der isländischen Fahrzeuge mit Wasserstoff laufen. Man müsse die Sache langfristig sehen. Vor sieben Jahren habe INE eine Prognose abgegeben, wie lange der völlige Umbau des isländischen Verkehrs dauern würde. „Wir sind jetzt etwa 12 bis 18 Monate hinter dem Plan zurück. Wenn man das auf 50 Jahre umlegt, ist es recht wenig“.
(Reuters, 23. Januar 2008)

HyWays
Zwischen 2025 und 2035 kann der Einsatz von Fahrzeugen mit Wasserstoffantrieb in der Europäischen Union aller Wahrscheinlichkeit nach rentabel sein. Unter den richtigen Bedingungen könne bis 2050 der Ölverbrauch im EU-Straßenverkehr dadurch um 40 % verringert werden. Diese Zahl basiert auf der Annahme, dass es 2030 in der EU 16 Millionen Wasserstofffahrzeuge geben wird und 60 G€ in den Aufbau der notwendigen Infrastruktur investiert worden sind. Diese Aussagen stammen aus einer von der EU geförderten Untersuchung unter dem Projektnamen „HyWays“. Darin haben Wissenschaftler die Ausgaben für Wasserstoffgewinnung, Aufbau eines Versorgungsnetzwerks und Bau von entsprechenden Fahrzeugen mit den Einsparungen verglichen, die sich aus der Ablösung herkömmlicher Kraftstoffe und Fahrzeuge ergeben.
Ausgangspunkt war die Lage in Deutschland, Frankreich, Finnland, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Spanien und Großbritannien. Für die Prognose waren unterschiedliche Formen der Wasserstoffgewinnung untersucht worden. Die Energiewirtschaft kann eine zunehmende Wasserstoffproduktion nutzen, um stärker auf erneuerbare Energiequellen zu setzen. Zum Beispiel könnte Windenergie, die heute häufig nur schwierig im Stromnetz unterzubringen sei, im großen Maßstab zur Herstellung von Wasserstoff verwendet werden. Der Einsatz von Wasserstoff ist nach Meinung der Kommission „eine der realistischsten Optionen“, um den Straßenverkehr ökonomisch und ökologisch verträglicher zu machen. Die erforderliche Übergangszeit eröffnet Europa die Chance, in der Entwicklung der Technologie die Führung zu übernehmen. Die richtigen Schritte müssen schnell gemacht werden, wenn Europa nicht den Preis für den zu späten Markteintritt zahlen will.

Leuchtturm
Ein erstes „Leuchtturmprojekt“ für die Anwendung von Wasserstoff und Brennstoffzellen ist in England realisiert worden. Der weltweit erste Brennstoffzellen-Leuchtturm ist der historische South Gare-Leuchtturm; er weist Seeleuten einen sicheren Weg zu den Häfen von Tees und Hartlepool, zwei der meist genutzten Tiefwasserhäfen in Großbritannien. Dass er ungeschützt dem rauen Nordseewetter ausgesetzt ist, stellt extreme Anforderungen an die Brennstoffzelle und die Wasserstoffversorgung. Das Ziel der Projektpartner ist es, die Leistungsfähigkeit moderner Wasserstoffenergiesysteme auch unter solchen Bedingungen zeigen. Neben der Hafenbehörde und dem Leuchtturmbetreiber gehören zu den Partnern auch der Brennstoffzellenhersteller Schunk und Air Products für den Wasserstoff. Ian Williamson von Air Products freut sich ganz besonders über die neue Anwendung: „Gerade die extreme Lage des Leuchtturms an der Nordsee zeigt das Potential von Wasserstoff als Energieträger bei der Versorgung von anspruchsvollen Anwendungen.“
(Air-Products-Pressemitteilung vom 20. Dezember 2007)

Hamburg
Die Hamburger Hochbahn betreibt im Moment die größte Flotte an Brennstoffzellenbussen in Europa. Ab 2010 sollen nun Hybridfahrzeuge durch die Hansestadt rollen. Die Brennstoffzellen laden Batterien, die Radnabenmotoren versorgen. Diese zweite Generation wird deutlich sparsamer sein als die derzeit rollenden Pilotfahrzeuge. Der Verbrauch soll von 20 auf 10 bis 12 kg Wasserstoff auf 100 km sinken. Die neue Busgeneration wird auch komfortabel: „Die Wasserstoffhybridtechnik ist perfekt für Linienbusse geeignet. Sie bietet mehr Komfort durch ruckfreies Anfahren und nutzt die Vorteile der Hybridtechnik optimal - der Stop-and-go-Zyklus erzeugt viel Bremsenergie zum Aufladen der Batterie“, urteilt Hochbahn-Vorstand Jost Knebel. Eine technische Herausforderung ist jedoch noch nicht gelöst: die Hochleistungsbatterie. Sie muss bis zu 200-mal so leistungsstark sein wie heutige Bus-Akkus und entsprechend groß und teuer.
(Hamburger Abendblatt, 25. Februar 2008)

Wind und Wasserstoff
Das Oldenburger Projekt HyWindBalance hat den mit 5000 € dotierten Transferpreis beim „Preis Umwelt Unternehmen: Nordwest“ 2007 gewonnen. Prämiert werden in dem Wettbewerb Aktivitäten, die sich durch herausragendes, vorbildliches und freiwilliges Umweltengagement auszeichnen und mehr erfüllen als gesetzliche Vorgaben. Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines Systems, das Windparks mit dem leicht zu speichernden Energieträger Wasserstoff kombiniert. So soll die schwankende Einspeisung von Strom aus Windenergieanlagen insbesondere in Flautenzeiten ausgeglichen werden.
(Pressemitteilung vom 29. Februar 2008)

Spielzeug
Der britische Spielzeughersteller Corgi will immer mehr Spielzeuge mit Brennstoffzellen als Stromversorgung ausstatten. Den Anfang macht ein ferngelenktes Spielzeugauto namens H2Go, dass auf der Nürnberger Spielwarenmesse im Februar präsentiert wurde. Laut Hersteller muss „das Kind zum Spielen lediglich Wasser in das Tankelement füllen“. Um dieses in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten, wird noch ein Akku gebraucht. Gegen Aufpreis gibt es ein Solar-Ladegerät. Die Erwachsenen sind schon hell begeistert: das Modell wurde auf der Messe mit dem Neuheitenpreis ToyAward 2008 in der Klasse Elektronik und Technik ausgezeichnet. Etwa 175 € soll das kleine Auto kosten, wenn es im September auf den Markt kommt.
(Pressemitteilung vom 6. Februar 2008)


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