6. DWV-Wirtschaftsgespräche: „Reallabore – Instrumente für den Hochlauf der Wasserstoff-Industrie?“


Berlin, 15. Februar 1992 – Andreas Rimkus MdB, Nils Aldag (sunfire GmbH), Florian Schwarz (uniper SE) und Werner Diwald (DWV, performing energy) diskutierten heute auf den 6. DWV-Wirtschaftsgesprächen gemeinsam mit über 40 Bundestagsabgeordneten, Vertretern der Bundesministerien und Industrievertretern die Fragestellung, ob das Förderprogramm „Reallabor der Energiewende“ das richtige Instrument ist, um einen Markthochlauf der Wasserstoffindustrie zu initiieren.

Andreas Rimkus (MdB, stehend) und Werner Diwald (rechts) führten in das Thema ein

Die Klimaziele 2050 sind eindeutig – zukünftig werden sich alle Wirtschaftsbereiche mit der Defossilisierung anfreunden müssen. Dieses zeigt sich auch in den Beschlüssen der Kommission für Wirtschaft, Strukturwandel und Beschäftigung. Der Kohleausstieg ist nur eine logische Konsequenz, und gleiches wird für andere emissionsreiche Industrien gelten. Damit dieses nicht zu einem wirtschaftlichen Industrie-Infarkt führt, müssen wir frühzeitig Vorsorgemaßnahmen ergreifen bzw. unsere Chancen erkennen.
Alle Teilnehmer waren sich einig, dass Deutschland bei der Markteinführung der Power-to-Hydrogen-Industrie keine Zeit mehr verlieren darf. Deutlich wurde dies durch den Bericht eines Insiders der chinesischen Automobilindustrie. Diese steigert gerade nicht nur signifikant den Hochlauf der Brennstoffzellenmobilität, sondern gründet mit einem Budget von mehreren Milliarden Euro eine chinesische Elektrolyse- bzw. Power-to-Hydrogen-Industrie.

Mit einem Förderprogramm für die gesamte deutsche Wirtschaft mit 500 Mio. EUR über 5 Jahre ist dem wirklich nicht etwas entgegen zu setzen. Da muss das Bundeswirtschaftsministerium sicherlich noch einmal korrigieren, wenn die von Herrn Minister Altmaier erst jüngst ins Leben gerufene „Nationale Industriestrategie 2030“ von Erfolg gekrönt sein soll.

Die Teilnehmer stellten ebenfalls heraus, dass die Bedeutung der Wasserstofftechnologien für die globale Wirtschaft stetig steigt. Die neueste Studie im Auftrage der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2050 in Europa in der Wasserstoffindustrie über 5,4 Mio. Arbeitsplätze mit einem Jahresumsatz von mehr als 800 Mrd. EUR entstehen werden. Für die deutsche Nachhaltigkeits- und Industriepolitik könnten sich mit einer gezielten Markteinführung der Wasserstofftechnologien somit einmalige Chancen ergeben. Es gilt daher, jetzt gesetzliche Anreize für Investition in die entsprechenden Technologien zu schaffen und rechtliche Unklarheiten für Betreiber von Anlagen zur Speicherung und/oder Wandlung zu beseitigen.

Die anwesenden Industrievertreter waren sich auch einig, dass sich das Förderprogramm für Reallabore auf Technologien und Anwendungen konzentrieren sollte, für die kurzfristig nachhaltige Geschäftsmodelle abzusehen sind. So wurde explizit die Mitverarbeitung des mit erneuerbarem Strom erzeugten Wasserstoffs in den Raffinerien genannt. Mit einer wirtschaftsnahen nationalen Umsetzung der Renewable Energy Directive II ab dem Jahr 2021 würde sich für die deutsche und europäische Wasserstoffindustrie kurzfristig das größte wirtschaftliche Potential ergeben.

Florian Schwarz (Uniper, stehend) und Nils Aldag (Sunfire, rechts) vertraten die Industrie

Es gilt also, jetzt die richtigen Wasserstoffprojekte gezielt zu fördern und die Anpassung der Regulierungen zur effizienten Nutzung des erneuerbaren Stroms zur Erzeugung von emissionsfrei hergestellten Wasserstoff ohne jegliche Zeitverzögerung einzuleiten.
Der DWV wird gemeinsam mit seiner Fachkommission performing energy diesen Prozess auch weiterhin eng begleiten.