Deutschland verliert zunehmend den Anschluss an die globale Wasserstoffwirtschaft


Deutschland ist zu zögerlich beim Hochlauf einer erfolgreichen und prosperierenden grünen Wasserstoff-Marktwirtschaft. Nicht nur dass die angekündigten Ziele, wie z.B. 10 GW Elektrolyse bis 2030, nicht im Einklang mit den Klimazielen und dem Bedarf an versorgungssicherer erneuerbarer Energie stehen. Sie entsprechen auch nicht dem Anspruch einer deutschen Industrienation.

Auf anderen Kontinenten findet man sehr viel ambitioniertere Ziele. In Australien, Afrika (Marokko, Namibia, Senegal oder Tunesien), Asien (China, Saudi-Arabien oder VAE), Südamerika (Argentinien oder Chile) oder Nordamerika mit Kanada werden Projekte mit weit über 10 GW angekündigt. Auch der Wettbewerb innerhalb Europas nimmt zu.

 Spanien will der wichtigste Produzent von grünem Wasserstoff in Europa werden. 67 Gigawatt Erzeugungskapazität sind bereits konkret geplant.

Spaniens Pläne sind extrem ambitioniert: Das Konsortium „HyDeal“, bestehend aus 30 spanischen und internationalen Unternehmen, plant den Bau von Wasserstofffabriken mit einer Kapazität von insgesamt bis zu 67 Gigawatt. Ein großer Teil davon soll laut FAZ nach Frankreich und Deutschland exportiert werden, um russisches Gas durch Wasserstoff zu ersetzen.

„Die Entwicklung hat die optimistischsten Vorhersagen übertroffen“, so der Direktor des „Nationalen Zentrum für Wasserstoff“ im Gespräch mit der FAZ. „Spanien ist inzwischen für jedes fünfte Wasserstoffprojekt auf der Welt verantwortlich. Wir waren eine Art Inkubator“.

Ähnlich ambitionierte Aktivitäten hört man auch aus Süd-Ost-Europa oder dem Baltikum. Bereits in 2018 hat die staatliche NOW in einer sehr aufwendigen und umfangreichen Detailstudie einen Bedarf von über 137 bis 275 GW Elektrolyseleistung zur Produktion des in Deutschland benötigten grünen Wasserstoffs ermittelt. Sicherlich wird diese Leistung nur zu einem kleinen Teil in Deutschland installiert werden können. Es gilt aber jetzt das Fundament für eine möglichst umfassende technologische Wertschöpfung in Deutschland zu schaffen. Dafür braucht es, wie in allen anderen Industriebereichen, einen stabilen und verlässlichen Heimatmarkt von weit mehr als 10 GW bis 2030. Der internationale Wettbewerb wird auf Deutschland nicht warten.

Werner Diwald, Vorstandsvorsitzender des DWV: „Wir befürworten die Fortschreibung der deutschen Wasserstoffstrategie sehr. Auch die Ankündigungen aus dem Koalitionsvertrag und die Beschlüsse des Bundestages zum Hochlauf der deutschen Wasserstoffwirtschaft bzw. -industrie heißen wir gut. Bisher warten wir leider noch auf investitionssichere Gesetze. Es darf keine weitere zeitliche Verzögerung geben. Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb müssen unsere Ziele noch ambitionierter und verbindlicher sein. Die erforderlichen regulatorischen Rahmenbedingungen für einen investitionssicheren Hochlauf der deutschen grünen Wasserstoffindustrie müssen jetzt geschaffen werden.

Daher appelliert der DWV zum wiederholten Male an die Politik:

  • Sofort die 37. BImSchV erlassen, um die Anrechnung von grünem Wasserstoff auf die THG-Minderungsverpflichtung in den Raffinerien zu ermöglichen.
  • Sofortige Anpassung des BImSchG, BImSchV und des BauGB zur Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für Elektrolyseure, die grünen Wasserstoff produzieren.
  • Sprinterprogramm zur Förderung der ersten 3 GW Elektrolyseleistung in Deutschland und 2 GW in Europa für den Import des grünen Wasserstoffs (H2Gloabl4Euope) aufsetzen.
  • Vollständige bilanzielle Anrechnung ermöglichen – von dem Erdgas beigemischtem grünen Wasserstoff bis auf das von den in den Verkehrbringern ausgewählte Endprodukt.
  • Rechtssichere Definition formulieren zu der Möglichkeit, die Energie aus EE-Anlagen, die nach dem EEG bezuschlagt wurden, über das Erdgasnetz zu importieren.
  • Initiative zum Aufbau einer europäischen Wasserstoffunion gründen.

Deutschland darf keine Zeit mehr verlieren. Die Bundesregierung muss jetzt umgehend verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen für den Hochlauf einer grünen Wasserstoff-Marktwirtschaft schaffen. Die Industrie kann sofort loslegen, Projektentwickler und Investoren sind bereit.