Grüner Wasserstoff – Schlüssel der Energiewende und einer starken europäischen Union


Die EU hat sich mit dem Green Deal ein ehrgeiziges Klimaschutzprogramm verordnet. Brüssel will bis 2030 den Ausstoß an Treibhausgasen um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Dabei spielt Wasserstoff die entscheidende Rolle in der Transformation des Energiesystems.

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Die Klimaziele sind eindeutig: Bis spätestens 2050 muss die Energieversorgung ausschließlich aus erneuerbaren Energien erfolgen. Dabei darf die Versorgungssicherheit zu keinem Zeitpunkt in der gesamten Europäischen Union gefährdet sein. Es geht also nicht nur um den Transport der erneuerbaren Energien von den Erzeugungshochburgen in die Industrieregionen der EU, sondern auch um die umfangreiche Speicherung.

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass nur mit Grünem Wasserstoff die Transformation des Energiesystems möglich ist – deshalb haben bereits viele Mitglieder der EU eine Wasserstoffstrategie verabschiedet. Diese nationalen Strategien müssen jetzt aufeinander abgestimmt werden. Denn nur dann wird die Energiewende auch zu einer neuen Chance für ein starkes vereintes Europa.

Deutschland, Frankreich, Luxembourg oder Tschechien sowie viele andere europäische Mitliedstaaten werden ihren zukünftigen erneuerbaren Energiebedarf nicht selbst decken können. Anderseits können viele Mitgliedstaaten der EU mehr erneuerbare Energien produzieren als sie selbst verbrauchen. Was liegt also näher, als diesen Reichtum an erneuerbaren Energien mit der wirtschaftlichen Kraft der Industrieregionen der EU zu teilen?

Starke wirtschaftliche Partnerschaften mit Tradition unterhalten wir seit langer Zeit vor allem mit unseren Nachbarstaaten. Als Vorbild für aktuelle Herausforderungen – schauen wir auf die derzeitige Entwicklung der Gaspreise – lohnt ein Blick in die Geschichte der EU. Die Idee einer Europäischen Union fußt auf der Idee des ehemaligen französischen Außenministers Robert Schuhmann zur Gründung der Montanunion. Um jetzt eine europäische Wasserstoff-Marktwirtschaft zu etablieren, braucht es einen stark ausgeprägten innereuropäischen Austausch. Dabei zeigen gerade die letzten Monate, wie wichtig eine stärkere Rückverlagerung der europäischen Rohstoffversorgung in die EU ist – für ein starkes und sozial gerechtes Europa. Frankreich, Deutschland und andere europäischen Mitgliedsstaaten sind derzeit stark betroffen von den enorm gestiegenen Gaspreisen. Ein gemeinsames Handeln zur Etablierung einer innereuropäischen Energiebereitstellung aus erneuerbaren Energien in Kombination mit einem grenzüberschreitenden europäischen Grünen Wasserstoffhandel wäre eine Lösung, um die Energie-Souveränität der EU zukünftig zu stärken.

Für die anstehende EU-Ratspräsidentschaft Frankreichs muss daher eindeutig der Aufbau einer europäischen Wasserstoff-Marktwirtschaft eine Priorität sein. Der französische Präsident hat die strategische Autonomie und den Green Deal bereits in den Mittelpunkt gestellt.

Deutschland hat mit dem H2Global Förderprogramm, an dessen Entwicklung der DWV maßgeblich mitgewirkt hat, ein Instrument für den Markteinstieg in Wasserstoff-Energiepartnerschaften geschaffen. Das Instrument mit seiner Doppel-Auktion bietet erstmalig die erforderliche Investitionssicherheit zum Aufbau einer grünen Wasserstoff-Marktwirtschaft und ist daher eine perfekte Vorlage zur Umsetzung des EU-Programms 2 x 40 GW Elektrolyse bis 2030.

Mit einer gezielten und ambitionierten europäischen Wasserstoff-Marktwirtschaft wird die EU nicht nur ihre Klimaziele erreichen, sondern auch die Voraussetzungen für zukunftsorientierte Arbeitsplätze in erfolgreichen Unternehmen schaffen.

Der DWV appelliert daher an die neue Bundesregierung, sich nicht nur für einen ambitionierten Hochlauf der nationalen, sondern auch für eine gemeinsame europäische Wasserstoff-Marktwirtschaft einzusetzen. Versorgungssicherheit, Souveränität und eine noch stärker vereinte europäische Union wären mit einer erfolgreichen Umsetzung einer gemeinsamen europäischen Wasserstoffstrategie garantiert. Es gilt daher, jetzt ambitioniert zu handeln.