Ein Jahr HySteel – Wasserstoff für eine grüne Zukunft der Stahlindustrie


Anlässlich des einjährigen Bestehens der DWV Fachkommission HySteel trafen sich am 03.11. die wichtigsten Akteure der deutschen Stahlindustrie mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik sowie Mitgliedern der Fachkommission und Vertretern der Arbeitnehmerseite. Mit klaren Positionen und Statements appellieren die Teilnehmer an die Politik und senden nach einer lebhaften Diskussion eine klare Botschaft. Das Commitment der gesamten Branche für Klimaneutralität ist enorm – die Lösung klar:

„Wir brauchen dringend grünen Wasserstoff unter verlässlichen Regulierungen in Deutschland und Europa. Wir müssen Rahmenbedingungen für Investitionssicherheit und neue Jobs schaffen.“, fassen Werner Diwald und Thorsten Kasten, Vorstände des DWV zusammen.

Nach den Vorgaben der EU-Kommission müssen bis 2030 zum Erhalt der aktuellen Produktionsmengen massive Reinvestitionen in der Stahlindustrie vorgenommen werden. Schätzungen zufolge erreichen bis zum Jahr 2030 rund 53 % der gesamten Primärerzeugungskapazität der Hochöfen, mit einer Jahresproduktion von zusammen ca. 18 Mio. t Roheisen, das Ende ihrer Lebensdauer. Vor diesem Hintergrund steht die deutsche Stahlindustrie in den nächsten 10 Jahren vor Investitionsentscheidungen, die ihr wirtschaftliches Schicksal für die nächsten 50 Jahre determinieren.

Berthold Goeke, BMU: „Die Fachkommission HySteel hat schon einiges in Gang gesetzt. Mit ihrer Arbeit tragen die HySteel-Mitglieder dazu bei, dass Investitionsprojekte auch durchgeführt werden. Was gäbe es Besseres als ein Innovationscluster wie HySteel, das die wichtigen Akteure zusammenbringt, um die Dekarbonisierung der Stahlindustrie anzugehen. Um Klimaneutralität zu erreichen, müssen Staat und Industrie diese Aufgabe gemeinsam angehen – und das tun wir hier.“

Berthold Goeke leite die Unterabteilung für Klimaschutz und Energieeffizienz im BMU

Die HySteel-Mitglieder arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung der ganzheitlichen Transformation.

André Körner, ArcelorMittal Germany Holding: „Wir sind auf dem Weg zum grünen Stahl und haben einen klaren Plan zur Transformation unserer Standorte in Deutschland entwickelt und der Bundesregierung vorgelegt. Wasserstoff spielt hierbei eine entscheidende Rolle, um die traditionell im Prozess genutzte Kohle abzulösen. Wir sind weiterhin auf die Unterstützung der Politik angewiesen, um die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehört neben den zu schaffenden Leitmärkten auch die Entwicklung einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft. Nur dann können wir zukünftig Wasserstoff zu wirtschaftlichen Kosten in unseren Werken einsetzen.“

Dr. Martin Johannes Schneider – Siemens Energy: „Wir haben in der Branche eine Bekenntnis zur die Klimaneutralität, aber dieser Transformationsprozess erfordert massive Investitionen und geeignete regulatorische Rahmenbedingungen. Daher brauchen wir jetzt auch eine immense Beschleunigung bei Genehmigungsverfahren und dem Ausbau der Infrastruktur.“

Dr. Martin Johannes Schneider ist Business Development Manager beim Siemens Energy Power to-Hydrogen Center-of-Excellence

Daniela Jansen – IG Metall: „Bei den Beschäftigten in der Stahlindustrie bündelt sich enormes Wissen und Know-How, auf das wir zurückgreifen können, um diese Transformation zu meistern. Auch die Anforderungen an die Berufsbilder werden sich im Zuge der Transformation stark ändern. Daher ist es so wichtig, die Beschäftigten mitzunehmen, ihr Expertenwissen abzufragen und auf das Know-how zurückzugreifen.“

Daniela Jansen ist die Politische Sekretärin im IG Metall Vorstand

 

Hergen Wolf – Sunfire: „Die Zertifizierbarkeit von grünem Stahl ist enorm wichtig. Wir müssen die Nachfrage am Endprodukt beschleunigen.“ 

Hergen Wolf ist Head of Product Management bei der Sunfire GmbH

Enorme Investitionen nötig

Für die Transformation der gesamten deutschen Stahlproduktion auf emissionsarme Technologien werden Investitionen von etwa 30 Mrd. € fällig. Das kann die Stahlindustrie nicht ohne geeignete Förderungen leisten. Auch die Betriebskosten für die Herstellung des grünen Stahls werden drastisch steigen. Daher ist sowohl die Schaffung geeigneter Maßnahmen zur Unterstützung der Unternehmen als auch die Ausarbeitung eines verbindlichen Fahrplans zur erfolgreichen Umsetzung der Transformation essenziell. Die deutsche Stahlindustrie hat die Chance, durch die Einführung innovativer Technologien und neuer Verfahren die Grundlage für zukunftsfähige gutbezahlte Industriearbeitsplätze in Deutschland zu schaffen. Das HySteel-Cluster wird weiter am Abbau der herrschenden Barrieren für die Einführung grüner Stahlprodukte arbeiten – damit Deutschland Technologieführer bei der emissionsarmen Stahlherstellung und grüner Stahl „Made in Germany“ zu einer Benchmark wird.

Gerrit Riemer ist der Leiter der thyssenkrupp-Konzernrepräsentanz in Berlin

Dr. Alexander Redenius ist Hauptabteilungsleiter Ressourceneffizienz der Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH

Die Fachkommission HySteel des DWV 

Im Oktober 2020 wurde das Cluster als übersektorale Innovations- und Technologieplattform gegründet. Das Kernziel ist die Erarbeitung einer zukunftsweisenden Strategie für eine emissionsarme, wasserstoff-basierte Stahlproduktion im Jahr 2045. Die Fachkommission HySteel besteht aus den größten deutschen Stahlherstellern, Anlagenherstellern für Elektrolyse und Anlagen für die Stahlindustrie, Produzenten für erneuerbare Energien, Netzbetreibern, Universitäten, Instituten, Forschungseinrichtungen und Gewerkschaften. Die HySteel-Mitglieder arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung der ganzheitlichen Transformation und wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert.

Weitere Infos hier: www.dwv-hysteel.de